Wirtschaft : Riester-Check: Bei der Riester-Rente fällt die Auswahl schwer

Jaqueline Link

Kaum standen die Grundzüge der Riester-Förderung fest, gingen die Versicherer auf Kundenwerbung. Für sie steht fest: Die Riester-Zuschüsse sollten am besten in eine private Rentenversicherung fließen. Zu Recht?

Im Großen und Ganzen gleichen die Riester-Rentenangebote herkömmlichen, privaten Rentenversicherungen. Auch hier zahlt der Sparer über einen festgelegten Zeitraum hinweg einen bestimmten monatlichen oder jährlichen Beitrag ein. Anschließend beginnt die Auszahlung der lebenslangen Rente. Die Versicherungsgesellschaft garantiert ihrem Kunden über die gesamte Vertragslaufzeit hinweg eine jährliche Verzinsung seines Kapitals nach Abzug der Kosten und des Risikoanteils von 3,25 Prozent. Grafik: Die Riester-Rente Die Beitragshöhe steht bei den Riester-Verträgen nicht von Beginn an fest. Sie hängt vom jährlichen Bruttoeinkommen des Sparers und der ihm im jeweiligen Zeitraum zustehenden Zulagen ab. Weitere Besonderheit: Abschlusskosten dürfen die Unternehmen ihren Kunden nicht wie sonst oft üblich bei Vertragsbeginn auf einmal in Rechnung stellen. Diese Kosten müssen in gleichbleibenden Beträgen mindestens über die ersten zehn Jahre verteilt werden. Stichproben der Zeitschrift Finanztest deuten darauf hin, dass sich die Kosten der konventionellen Riesterpolicen insgesamt im Rahmen halten. Wie hoch die Kostenquote eines bestimmten Angebots ist, kann man mit Hilfe eines kostenlosen Rechners im Internet nachprüfen, zu finden unter www.finanztest.de .

Ein Riester-Sparer darf die erste Rente frühestens ab seinem 60. Geburtstag kassieren, es sei denn, er wird vorher erwerbsunfähig. Eine einmalige Kapitalzahlung statt des Rentenbezugs darf in Riester-Rentenverträgen nicht vereinbart sein. Sonst muss die staatliche Förderung zurückgezahlt werden. Riestertaugliche Bankspar- und Investmentfondssparpläne gestatten es Sparern dagegen, bei Auszahlungsbeginn bis zu 20 Prozent des angesparten Kapitals auf einen Schlag abzuheben. Festlegen müssen Kunden bei Vertragsbeginn der Riester-Rente auch, ob ihre spätere Rente gleich bleiben oder steigen soll. Soll sie dynamisch sein, was zu empfehlen ist, ist die Anfangsrente niedriger, steigt aber im Laufe der Jahre kontinuierlich an. Damit kann sich der Rentner einen Inflationsausgleich sichern.

Ganz wichtig: Riester-Renten unterliegen voll der Besteuerung. Bei herkömmlichen privaten Rentenversicherungen müssen Rentenbezieher nur den so genannten Ertragsanteil versteuern, dessen Höhe vom Renteneintrittsalter abhängt. Beginnt die Rentenzahlung mit 65 Jahren, beläuft sich der Ertragsanteil beispielsweise auf 27 Prozent. Zur Versteuerung herangezogen werden von einer monatlichen Rente von 1000 Euro also nur 270 Euro. Viele Auszahlungen bleiben steuerfrei. Bei der Riester-Rente hält der Fiskus dagegen vom ersten Euro an die Hand auf. Sind die Einnahmen eines Rentners insgesamt niedriger als sein Bruttoeinkommen während seiner Berufstätigkeit, wird aber auch sein Steuersatz im Alter niedriger sein.

Um die 6,5 Prozent Rendite stellen ertragsstarke Lebensversicherer jüngeren Leuten derzeit bei herkömmlichen aufgeschobenen Rentenversicherungen in Aussicht. Die Prognosen sind aber zum großen Teil unverbindlich. Denn interessant macht ein Angebot erst der Teil der Auszahlung, der nicht garantiert ist, und der kann gekürzt werden: zum Beispiel, wenn die Lebenserwartung der Kunden steigt und die Versicherer ihnen daher länger als kalkuliert Rente zahlen müssen. Das beträfe allerdings alle Unternehmen.

Bei der Auswahl eines Angebots sollte es deshalb noch wesentlicher darauf ankommen, wie erfolgreich eine Gesellschaft wirtschaftet. Dazu gehört einerseits ein sparsamer Umgang mit dem Kundengeld und andererseits eine erfolgreiche Geldanlage. Bei konventionellen Rentenversicherungen darf dieses Geld nur zu maximal 35 Prozent in Aktien angelegt werden. Geschäftserfolge in der Zukunft sind nicht vorhersehbar. Interessenten sollten deshalb auch bei Riester-Verträgen am ehesten auf Lebensversicherer vertrauen, die zumindest bisher gute Erträge vorweisen konnten. Noch besser ist es, mit dem Vertragsschluss zu warten, bis die Stiftung Warentest die Produkte unter die Lupe genommen hat. Mit der Veröffentlichung eines entsprechenden Tests ist im Herbst zu rechnen.

Noch Fragen?

Die private Rentenversicherung ist eine von vielen Varianten im Rahmen der Riester-Förderung. Weitere Anlagealternativen stellen wir Ihnen in den nächsten Wochen in loser Folge vor. Sollten Sie dann noch Fragen haben, können Sie diese unseren Experten bei unserer Telefonaktion zum Thema "Riester-Rente" stellen: am 14. Februar von 18 bis 20 Uhr. hej

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