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Risikokapital für junge Gründer : Wagnis Berlin

09.12.2012 00:00 Uhrvon
Simon Schäfer, Mitgründer der Factory in Berlin-Mitte, in der zum Beispiel Soundcloud sitzt.Bild vergrößern
Simon Schäfer, Mitgründer der Factory in Berlin-Mitte, in der zum Beispiel Soundcloud sitzt. - Foto: dapd

Die Hauptstadt ist stolz auf ihre Gründerszene. Doch es mangelt noch an internationalen Investoren für die zahlreichen Start-ups

Mit Landwirtschaft hat die Berliner Start-up-Szene eigentlich nichts zu tun. Und doch spielt die Frage, ob die Henne oder das Ei zuerst da war, für ihren künftigen Erfolg eine wichtige Rolle. Müssen die kleinen Unternehmen erst liefern und wachsen, damit sie Geld bekommen? Oder müssen sie erst mehr Geld von Investoren bekommen, um auf eine konkurrenzfähige Größe zu kommen?

Auf 10 000 Einwohner entstanden in Berlin nach einer Untersuchung des IT-Branchenverbands Bitkom seit 2008 rund 2,67 Start-ups jährlich. Knapp 1000 Unternehmen im Jahr, die sich mit der Entwicklung von Apps, Spielen oder anderer Software, mit Beratung und Dienstleistung oder Hardware, also Computerbauteilen, befassen.

Hinter München ist das Platz zwei in Deutschland. Noch nie habe es so viele vielversprechende Start-ups gegeben, die bereits nachgewiesen hätten, dass sie am Markt bestehen können, heißt es von Seiten der Investoren.

Allein im laufenden Jahr werden Investoren voraussichtlich zwar rund 250 Millionen Euro in Berliner Start-ups stecken. Dennoch bleiben große Investments – im hohen zweistelligen Millionenbereich – die Ausnahme. Denn die VC-Gesellschaften (VC = Venture Capital), die Wagniskapital in der zweiten und dritten Finanzierungsrunde zur Verfügung stellen, halten sich zurück. Etwa 700 Millionen Euro flossen im vergangenen Jahr von VC-Gebern in deutsche Start-ups. Verglichen mit den USA ist das nur ein Klacks. Und auch relativ gesehen fahren Risikokapitalgeber nicht unbedingt auf Deutschland mit der selbst ernannten Gründerhauptstadt Berlin ab. Einer Studie der europäischen Private Equity and Venture Capital Association (EVCA) zufolge erreichten die Investitionen 2010 in den USA 0,15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, während es in Deutschland nur 0,026 Prozent waren. Skandinavien (0,051 Prozent) oder Großbritannien (0,045 Prozent) hatten mehr vorzuweisen.

Die verhältnismäßige Zurückhaltung hat mehrere Gründe. Ein Faktor ist die Zeit. Anders als in den USA, wo privates Wagniskapital bereits vor Jahrzehnten in Kalifornien investiert wurde und Silicon-Valley-Legenden wie Apple, Facebook oder Google schuf, hat die neue deutsche Gründerzeit erst vor wenigen Jahren begonnen. „Mit Silicon Valley ist Berlin nicht zu vergleichen“, sagt Jens Munk von Torch Partners. „Aber die haben ja auch 40 Jahre Vorsprung.“ Munk leitet die deutsche Vertretung der britischen Investmentbank, die auf den Tech-Sektor spezialisiert ist und erst vor kurzem ihr Büro in Berlin eröffnet hat. „Die Anschubfinanzierung funktioniert hier sehr gut. Wenn es allerdings darum geht, Geld von institutionellen Anlegern zu bekommen – also VC, Private Equity und so weiter – ist Berlin nicht so weit wie London.“ In der britischen Hauptstadt habe der Start-up- Boom aber auch schon vor zehn und nicht erst vor zwei oder drei Jahren begonnen.

Während die Investoren hierzulande nach vorübergehendem Anstieg weniger ausgeben, fließt nach London jährlich mehr Geld. Das liegt auch daran, dass die Start-up-Szene dort eine andere Struktur hat. Als Finanzhauptstadt Europas seien große, auch internationale Geldgeber bereits seit Jahren dort zu Hause, sagt Ander Orcasitas von Europe Unlimited. „London ist nach wie vor die erste Adresse für VC-Investoren.“ Zudem sei das britische Steuersystem investorenfreundlich. Orcasitas organisiert Konferenzen in ganz Europa, auf denen Gründer potentiellen Geldgebern ihre Ideen vorstellen. In der zu Ende gehenden Woche fand ein solches Treffen in Berlin statt. Die Szene hier sei geprägt von vielen Lifestyle-Firmen, Gründern, die eine Idee hätten und sich um Investoren bemühen müssten, sagt er. In London gehe es hingegen top-down, also genau umgekehrt: Investoren suchen nach neuen Anlagemöglichkeiten für ihre Kunden. Dabei treffen sie auf Jungunternehmer, die nicht selten selbst im Finanzsektor gearbeitet und sich mit einer Idee aus diesem Bereich selbstständig gemacht haben.

Ähnlich ist die Situation in Israel, das mit Tel Aviv ebenfalls über eine Gründermetropole verfügt. Laut einer Studie des spanischen Kommunikationkonzerns Telefónica ist Tel Aviv nach dem Silicon Valley der bedeutendste Standort für Start-ups. Berlin belegt in diesem Ranking lediglich Platz 15.

Yair Re’em ist Israeli und Finanzchef von HP-Ventures, der Wagniskapitalgesellschaft des SAP-Mitgründers Hasso Plattner. „Auf jeden Israeli kamen im Jahr 2011 144 Dollar VC, auf jeden Deutschen 11,50 Dollar“, verdeutlicht er die Dimensionen. Die große Investitionsbereitschaft resultiere dabei nicht aus höherer Risikobereitschaft. Vielmehr seien VC-Geber darum bemüht, das Risiko so gering wie nötig zu halten. Start-ups in Israel seien sehr technologiegetrieben. „VC-Investoren investieren gerne in Technologie: Es gibt ein Problem, auf das das Start-up in einem überschaubaren Zeitraum eine Lösung sucht.“ Findet es die Lösung, stehen Branchengrößen wie Intel oder EMC schnell bereit und kaufen das Unternehmen. „Die Chance, für ein Investment belohnt zu werden, ist für VC-Geber bei Geschäften zwischen Firmen größer, als wenn sich die neu entwickelten Produkte an den Endkunden richten.“ Niemand hätte vorhersagen können, ob Facebook oder Instagram von den Menschen angenommen werden. Die Mehrzahl der Start-ups in Berlin ziele aber wie diese beiden auf den Konsumenten. Ihr Erfolg – und damit auch der Zeitpunkt, zu dem sich das Investment auszahle – sei daher schwer vorherzusagen. Damit Berlin mehr Investoren lockt, muss die Szene Experten zufolge beweisen, dass sie es kann. Erfolgreiche Beispiele wie Soundcloud oder Zalando seien da. „Aber wir brauchen zehn Soundclouds, um zu überzeugen“, sagt Re’em.

Bei aller Skepsis sehen Investoren wie Earlybird in Berlin durchaus eine dem US-Vorbild ähnliche Entwicklung. „Die jungen Leute, die von den Unis und Business-Schools kommen, wollen nicht mehr in die großen Unternehmen“, sagt Seibold. „Die sehen vielmehr die coolen Start-up-Unternehmer und sagen sich: Das will ich auch.“ Über die Abwesenheit internationaler VC-Geber ist er nicht böse, gibt es so doch weniger Konkurrenz. „Wir sehen uns jedes Jahr rund 2500 Businesspläne an und können uns fünf bis sechs Rosinen herauspicken.“

START-UP-UNTERNEHMEN

Eine feste Definition gibt es für diese Art von Unternehmen nicht. Meist sind es Gründungen im Software- und IT-Technologiesektor. Auch in der Biotechnologie finden sich solche Unternehmen. Der Bitkom spricht in einer aktuellen Studie von 8000 Betrieben, die jährlich in Deutschland entstehen.

VENTURE CAPITAL

Je höher das Risiko, desto größer die Rendite. Deshalb spricht man auch von Wagniskapital. Auf der Suche nach lukrativen Erträgen – zwischen zehn und 20 Prozent sollten es schon sein – geben Investoren jungen Unternehmen Geld in der Hoffnung, dass diese Erfolg haben. Dabei unterscheidet man drei Phasen (Seed, Early Stage, Later Stage). Gerade in der Later-Stage-Phase müssen Investoren viel Geld in die Hand nehmen, weil die Unternehmen wegen ihrer Expansion hohen Kapitalbedarf haben. Im angelsächsischen Bereich gehören verstärkt auch Pensionsfonds zu den Investoren, weil staatliche Rentensysteme dort nicht oder nur rudimentär vorhanden sind.

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