Wirtschaft : Risikomanagement: Gegen unnötige Kursverluste

tmo

Die Risiken der Börse hatte Markus Küppers im Griff. Seine ersten Aktienerfahrungen sammelte der selbstständige Werbefachmann mit einem Technologiefonds und beim Börsengang von Infineon. Der Aktienkurs des Chipherstellers explodierte nach der Emission förmlich. "An zwei Tagen habe ich 2000 Mark verdient", erzählt der 28-jährige Kölner. Auch beim Börsengang von T-Online, der Internet-Tochter der Deutschen Telekom, war Küppers dabei. Doch dann drehte der Markt, und seine Gewinne schmolzen dahin. Der Markteinbruch in Folge der Terrorattacke gab seinem Depot den Rest.

"Viele Privatanleger haben ihre Depots regelrecht vor die Wand gefahren", sagt der Kölner Vermögensverwalter Eckhard Sauren. Natürlich trifft ein Ausverkauf wie am Dienstag auch den cleversten Risikomanager. Doch litten fast alle Neukunden-Depots, die Sauren analysiert, im Kurssturz der vergangenen Monate weit mehr als die großen Aktienindizes. Der Grund: Viele Investoren haben in der Börseneuphorie das Risiko ihrer Engagements vernachlässigt.

Inzwischen haben Privatanleger und Fonds das Thema Risikomanagement neu entdeckt. "Das ist einer der am schnellsten wachsenden Bereiche der Branche", sagt Matthias Fäth von Sal. Oppenheim. Er leitet bei der Oppenheim-Kapitalanlagegesellschaft eine neue Abteilung, die das Risikomanagement der Fondsmanager unterstützt. Und erklärt, dass Fondsmanager und Privatanleger bei der Strukturierung ihres Portfolios eine möglichst optimale Mischung aus Renditechance und Verlustgefahr finden müssten. Doch im High-Tech-Boom vergaßen viele zwei fundamentalen Börsenregeln: Dass erstens Renditechance und Verlustrisiko zwei Seiten derselben Medaille sind; und zweitens Anleger nur durch eine Streuung ihres Geldes unnötige Risiken vermeiden können.

Viele Anlageprofis achten darauf, dass ihre Portfolios sich im Rahmen mit den großen Aktienindizes bewegen. Wetten gegen den Markt - etwa hohe Engagements in einzelnen Aktien oder Branchen - gehen gute Fondsmanager nur in engen Grenzen ein. Und das auch nur dann, wenn sie glauben, bessere Informationen als die anderen Marktteilnehmer zu haben. "Privatanleger sollten mindestens 50 Aktien im Depot halten, um zu starke Einzelwert Risiken zu vermeiden", gibt Fäth als Faustregel vor. Durch Fonds lässt sich eine breite Streuung auch bei kleinem Vermögen erreichen. Dabei warnt er indes vor einer Schein-Diversifizierung: Wer etwa 50 Technologiewerte kaufe, trage immer noch ein hohes Branchenrisiko. Eine echte Streuung müsse immer über viele Branchen und Regionen hinweg gehen.

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