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Roland Koch und Bilfinger : Große Ziele - nicht erreicht

Er war Ministerpräsident in Hessen, dann Vorstandschef des Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger. Jetzt räumt Roland Koch seinen Posten. Hintergrund ist eine erneute Gewinnwarnung bei dem Konzern binnen weniger Wochen.

Hans-Jürgen Jakobs,Georg Weishaupt
Der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch war seit 2010 Vorstandschef des Konzerns Bilfinger.
Der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch war seit 2010 Vorstandschef des Konzerns Bilfinger.Foto: dpa

Wenn man Roland Koch in seinen Anfangstagen als Unternehmenschef in seinem Mannheimer Büro besuchte, war Misstrauen zu spüren. Ganz viel Misstrauen. Besonders eine Frage machte ihn im Frühjahr 2011 unsicher: die nach dem langjährigen Vorstandschef Herbert Bodner und dessen künftiger Rolle. Der Spekulation, Bodner würde wohl später im Aufsichtsrat noch eine sehr bedeutende Rolle bei Bilfinger Berger spielen, konnte er nicht wirklich etwas entgegensetzen.

Nun, gut drei Jahre später, ist Koch den Posten des Vorstandsvorsitzenden beim Baudienstleistungskonzern im Nordbadischen los – und Herbert Bodner, der alte Fahrensmann, wechselt als Nachfolger aus dem Aufsichtsrat vorübergehend zurück an die Konzernspitze. Damit endet die Bewährungsphase des einstigen hessischen Ministerpräsidenten Koch in der Marktwirtschaft recht unsanft.

Als größte Leistung des früheren CDU-Politikers wird in der Öffentlichkeit die Namensänderung in Erinnerung bleiben: Nur noch Bilfinger heißt das Traditionsunternehmen, das sich in der Koch-Zeit noch stärker als vorher aus Bauprojekten verabschiedete und sich lieber als Industriedienstleister positionierte, der Gebäude und Industrieanlagen wartet.

Ende Juni erlebte Koch seinen ersten schwarzen Tag

Bereits Ende Juni erlebte Koch seinen ersten schwarzen Tag in seiner noch jungen Managerkarriere. Der Kurs stürzte dramatisch ab, um mehr als 16 Prozent. Koch musste seine Wachstumsprognose für dieses Jahr kassieren.

Am Montag musste er seine Vorhersage für das laufende Jahr dann schon wieder korrigieren. Bei einer erwarteten Leistung von rund 7,8 Milliarden Euro geht das Unternehmen jetzt nur noch von einem bereinigten Konzernergebnis von 205 Millionen bis 220 Millionen Euro aus. Die erneute Korrektur wird wiederum notwendig, weil sich die Energiesparte des Mannheimer Konzerns schlechter als erwartet entwickelt hat. Viele Energiekonzerne halten sich bei Investitionen zurück, nicht nur in Deutschland, sondern auch auf dem für Bilfinger wichtigen Markt Polen. In Polen zögern Investoren, Kraftwerke zu bauen, weil deutsche Windparks ihren überschüssigen Strom über die Grenze schicken und die Preise drücken. Das trifft den Dienstleistungskonzern ausgerechnet in dem Bereich, der die dicksten Renditen bringt. Anfang Juli hatte Koch noch erwartet, dass die Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 8,9 auf nur noch sechs Prozent sinken wird. Doch selbst dies ist nicht mehr zu schaffen.

Koch wollte das Ergebnis nach Amtsantritt bis 2016 verdoppeln

Koch hatte große Pläne. Gerne erzählte er, dass er „rund 800 Millionen Euro“ in der Kasse habe für weitere Akquisitionen. Er legte gleich mehrere Programme auf, um den Konzern schlagkräftiger zu machen: So wollte er die vergleichsweise hohen Verwaltungskosten bis Ende kommenden Jahres um mindestens 80 Millionen bis 90 Millionen Euro senken. Bei Konkurrenten machen sie weniger als neun Prozent vom Umsatz aus, bei Bilfinger hingegen sind es fast zehn Prozent. Deshalb sollen in diesem Bereich 1250 Arbeitsplätze wegfallen. Doch das reichte nicht. In der Rohrleitungssparte werde der Umsatz von jährlich 400 Millionen Euro auf etwa die Hälfte sinken, teilte er mit. Dort sind rund 1100 Mitarbeiter beschäftigt.

Einige Monate nach seinem Amtsantritt im Herbst 2011 hatte Koch das ehrgeizige Mittelfristziel ausgegeben, das Ergebnis bis 2016 verdoppeln zu wollen. Zuletzt wurde klar, dass es schwer würde, dieses Ziel zu erreichen.

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