Wirtschaft : Rolls-Royce streicht weltweit 2300 Stellen

Luftfahrtbranche leidet unter der Dollarschwäche

Rainer W. During

Berlin - Der schwächelnde Dollar macht der Luftfahrtbranche zunehmend zu schaffen. Der Triebwerkshersteller Rolls-Royce teilte am Freitag mit, trotz voller Auftragsbücher weltweit 2300 Stellen in Management und Verwaltung zu streichen – als Reaktion auf die steigenden Rohstoffkosten und die Auswirkungen des schwachen Dollar. Auch die deutschen Standorte in Dahlewitz bei Berlin und Oberursel bei Frankfurt am Main seien betroffen, hieß es. Hier solle der Wegfall aber durch Neueinstellungen im Technikbereich ausgeglichen werden.

„Wir können das für Deutschland noch nicht quantifizieren, glauben aber, dass sich der Abbau in der Verwaltung mit den Neueinstellungen im Technikbereich die Waage halten wird“, sagte Rolf Neumann, der deutsche Regionaldirektor von Rolls- Royce, dem Tagesspiegel. Wie berichtet, baut das Unternehmen mit einer 30-prozentigen Förderung des Landes Brandenburg für 50 Millionen Euro in Dahlewitz ein neues Hightech-Zentrum auf. Hier sollen bis 2010 rund 100 zusätzliche Stellen für hochqualifizierte Ingenieure und Techniker entstehen. Im November hatte Rolls-Royce zwar zudem den Bau neuer Triebwerksfabriken in Singapur und im US-Bundesstaat Virginia angekündigt. Deutschland sei für das Unternehmen aber weiterhin ein „wettbewerbsfähiger Standort“, betonte Neumann. Der Motorenbauer beschäftigt hierzulande insgesamt rund 3000 Mitarbeiter, zwei Drittel davon in Dahlewitz.

Auch der Münchner Konkurrent MTU Aero Engines mit Zweigwerken in Hannover und Ludwigsfelde bei Berlin leidet unter dem im Verhältnis zum Euro schwachen Dollar. Denn Flugzeuge werden in Dollar bezahlt, was vor allem den europäischen Hersteller Airbus in Bedrängnis bringt. Seit kurzem gibt Airbus nun die eigenen Risiken an seine Zulieferer weiter – und bezahlt diese auch in Deutschland in Dollar. Als Reaktion setze MTU wiederum verstärkt auf Zulieferer aus dem Dollarraum, sagte Firmensprecherin Eva Simon. Auf diese Weise habe man 70 Prozent der Produktion gegen Währungsschwankungen abgesichert.

Der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie versucht derzeit herauszufinden, was es für die Branche bedeutet, wenn immer mehr große Unternehmen ihre Kursverluste an die mittelständischen Zulieferer weitergeben. Am Freitag kostete der Euro zeitweise mehr als 1,48 Dollar. „Wenn der Kurs auf über 1,50 Dollar pro Euro geht, ist mit unseren alten Produkten kein Geld mehr zu verdienen“, sagte Peter Köppel von der Firma Holmberg. Das Berliner Unternehmen stellt unter anderem Handgeräte für die Kommunikation an Bord von Flugzeugen her. Langsam sei die Grenze erreicht, wo trotz Rationalisierungsmaßnahmen nichts mehr gehe, sagte er. Noch glichen andere Geschäftszweige wie die Bahntechnik aus. An Stellenabbau werde daher bislang nicht gedacht, sagte Köppel.

Doch dass die großen Unternehmen zunehmend versuchen, die Kursrisiken auf ihre Partner abzuwälzen, hat auch Christian Bergner, Chef von Krauss Aviation Technologies in Ludwigsfelde, festgestellt. Der Kostendruck könnte am Ende dazu führen, dass ganze Firmenzweige aus Europa verschwinden würden, warnte er.Rainer W. During

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