Wirtschaft : Rolls-Royce will in Brandenburg wachsen

Neue Teststätte für Flugzeuge kostet Millionen

von
Großes Ding.
Großes Ding.Foto: dapd

Berlin - Der britische Flugzeugtriebwerkshersteller Rolls-Royce denkt über eine weitere Millioneninvestition im brandenburgischen Dahlewitz nach. Das Unternehmen erwäge den Bau eines Prüfstandes für die Antriebe von Großraumjets, sagte ein Firmensprecher, und bestätigte damit einen Bericht der britischen Wochenzeitung „The Observer“. Einziger Wettbewerber ist nach Tagesspiegel-Informationen ein Standort in den USA.

Insgesamt hat Rolls-Royce einen Auftragsbestand von rund 60 Milliarden Pfund. Stärkster Geschäftsmotor ist dabei die Trent-Triebwerksfamilie, die unter anderem der neuen Boeing 787 „Dreamliner“ und dem geplanten Airbus A350 Schub gibt. Diese Aggregate werden im britischen Derby gebaut. Wegen der großen Nachfrage muss die Produktion dort verdoppelt werden. Damit reichen die bisherigen Testkapazitäten nicht mehr aus, erklärt Firmensprecher Frank-Martin Hein. Deshalb prüfe man jetzt die Möglichkeiten für den Bau eines zusätzlichen Prüfstands.

Eine Option ist Dahlewitz. Die örtlichen Behörden und die Brandenburger Landesregierung seien informiert, heißt es. „Wir haben Rolls-Royce einen Letter of Intent übergeben und damit unser Interesse zum Ausdruck gebracht“, sagt der Sprecher des Potsdamer Ministeriums für Wirtschaft und Europaangelegenheiten, Steffen Streu. Die Landesregierung habe deutlich gemacht, dass sie eine etwaige Ansiedlung in Dahlewitz begrüße.

Eine Entscheidung soll bis zum Jahresende fallen, sagte Rolls-Royce-Sprecher Hein. Wie hoch die Investitionen sein würden und in welchem Umfang durch den neuen Prüfstand Arbeitsplätze geschaffen werden, dazu wollte er sich nicht äußern.

Dahlewitz Chancen gelten als gut. Seit 1990, als das Werk im Verbund mit BMW gegründet wurde, hat Rolls-Royce den Standort kontinuierlich ausgebaut. Erst im vergangenen Jahr hatte Rolls-Royce dort sein weltweit erstes Zentrum für mechanische Tests an Strahltriebwerken eröffnet. Rund 65 Millionen Euro waren dafür in den Standort investiert worden, 70 Arbeitsplätze sind entstanden. Das Land Brandenburg hat die Erweiterungen des Standorts großzügig mit Fördermitteln unterstützt.

In Dahlewitz sind etwa zwei Drittel der rund 3000 Rolls-Royce-Mitarbeiter in Deutschland beschäftigt. Hier gibt es bereits zwei „Adam und Eva“ genannte Prüfstände für kleinere Triebwerke. In Brandenburg wurde die Triebwerksreihe BR700 entwickelt, die in zahlreichen Geschäftsreisejets zu finden ist. Zusätzlich wurden 2005 das Programm- und Technologiemanagement sowie die Endmontage der V2500-Triebwerke für die A320-Flugzeugfamilie von Airbus nach Dahlewitz verlagert. Auch wichtige Komponenten für die TP400-Turboprops für den Militärtransporter A400M, darunter die Hochdruckverdichter, entstehen südlich Berlins. Rainer W. During

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar