Wirtschaft : Rolls-Royce zählt zu den raren Favoriten

KARLHEINZ VOSS (HB)

Die Maschinenbauunternehmen Westeuropas hatten 1998 in der Mehrzahl ein gutes Jahr.Insgesamt stieg die Produktion um vier Prozent.Auch die Gewinne konnten gesteigert werden.In den Aktienkursen hat sich diese positive Entwicklung nur unterdurchschnittlich bemerkbar gemacht.

Die von Morgan Stanley Dean Witter festgestellte Performance der Maschinenbauaktien war auf den drei Hauptweltmärkten recht unterschiedlich.In den USA lag die Underperformance der Maschinenbauer bei 30 Prozent und in Europa bei 12 Prozent.Dagegen waren die Japaner die Gewinner des vergangenen Jahres.Sie lagen um 9 Prozent über der allgemeinen Marktentwicklung.

In konjunkturell nicht eindeutigen Zeiten oder in Erwartung einer nach unten gerichteten Kurve im Konjunkturzyklus leiden die Kurse der Maschinenbauwerte überwiegend stärker als der Durchschnitt.Zyklische Branchen gehören in flauen Phasen daher nicht zu den Lieblingen der Anleger.

1998 machten sich vor allem die Auswirkungen der Südostasienkrise und das damit verbundene Absacken der Rohstoffpreise für die exportorientierte Branche negativ bemerkbar.Das gilt insbesondere für den Großanlagenbau, der eine starke Position im asiatischen Raum hat.Nach Auffassung der meisten Analysten dürften diese Auswirkungen aber in den Kursen bereits enthalten sein.So überwiegen die Empfehlungen, die Papiere zu halten.Bei einzelnen Werten ist auch ein Einstieg angebracht.

Die Prognostiker gehen in der Mehrzahl davon aus, daß die Auftragseingänge in der zweiten Jahreshälfte nicht weiter ins Minus rutschen, sondern daß es sich bei der Auftragsdelle eher um einen "Durchhänger" handelt.Positiv fällt ins Gewicht, daß der starke Dollar der Branche hilft.



Unter den britischen Werten sprechen Analysten im Grunde nur für Rolls-Royce (Turbinen und Kraftwerksausrüstungen) Kaufempfehlungen aus.Warburg Dillon Read geht davon aus, daß der Gewinn in den nächsten Jahren mindestens um jeweils 15 Prozent anzieht.Morgan Stanley bewertet die Rolls-Royce-Aktie sogar als "unbedingt" kaufenswert.Stark unterbewertet sei zwar der IMI-Konzern (Aircondition, Ausrüstungen für Heizungen und Radiatoren).Das bedeutet nach Auffassung von Warburg Dillon allerdings lediglich, daß IMI nicht länger auf der Verkaufsliste stehe, sondern neutral zu gewichten sei.Erhebliche Kurssteigerungen traut Warburg Dillon BTR Siebe (elektronische Kontrollsysteme, Heizungskomponenten) zu.Durch den Zusammenschluß von Siebe und BTR werde ein erhebliches Potential eröffnet.

Positiver sehen die französischen Maschinenbauer die Entwicklung im laufenden Jahr.Nach einer Expansion von knapp fünf Prozent im vergangenen Jahr erwartet die Branche 1999 ein reales Plus von zwei Prozent.Bei den französischen Werten plädiert Warburg Dillon bei Sidel (Maschinen zur Fertigung von Kunststoffflaschen und Verpackung) für "strong buy", da beim Gewinn in den nächsten Jahren zweistellige Zuwachsraten erreicht werden könnten.Die gleiche Empfehlung gibt das Haus für Lagardère (Zulieferer für Raumfahrt und Wehrtechnik).Die schwedische Branche weist einige börsennotierte Weltfirmen wie Atlas Copco, Sandvik und SKF auf.Goldman Sachs Investment Research wertet Atlas Copco (Kompressoren, Baumaschinen) als Marktperformer.Eine ähnliche Einschätzung bei den Analysten findet auch Sandvik (Werkzeugsysteme, Bergbaumaschinen).Dagegen wird SKF (Kugellager) als Outperformer eingestuft.

In der Schweiz sind die Erwartungen zurückgeschraubt worden.Für 1999 ist Nullwachstum in Sicht.Beim Aufzughersteller Schindler (weltweit an zweiter Position) ist dennoch "strong buy" angesagt.Für den im derzeit schwierigen Textilmaschinengeschäft tätigen Saurer-Konzern wird "Halten" empfohlen.Bei Rieter, ebenfalls Hersteller von Textilmaschinen, überwiegen die Verkaufsvorschläge.

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