Wirtschaft : RTL Group macht Milliarden-Verlust

msh/hps/HB

Europas größte Fernseh- und Radiogruppe RTL Group hat im vergangenen Jahr einen Milliarden-Verlust gemacht. Grund für den Verlust von fast 2,5 Milliarden Euro sind Korrekturen von Firmenwerten. Im operativen Geschäft musste die RTL Group wegen sinkender Werbeeinnahmen und hoher Investitionen einen Gewinnrückrang von 50 Prozent auf 276 Millionen Euro hinnehmen. In Deutschland konnte RTL seine Marktführerschaft ausbauen und den Umsatz deutlich steigern.

Die RTL Group gehört mehrheitlich zum Medienkonzern Bertelsmann, der das Fernsehgeschäft zu seinem Hauptgeschäftsfeld ausbauen will. Bislang war RTL ein sicherer Gewinnbringer im Portfolio des Medienkonzerns. Der Buchverlust der Fernsehgruppe dürfte das Ergebnis der Gütersloher erheblich schmälern. Der hohe Nettoverlust von fast 2,5 Milliarden Euro ist vor allem auf Firmenwertabschreibungen der Fremantle-Media und den spanischen Sender Antena 3 zurückzuführen. "Der Verlust wirkt sich nicht auf unseren Bargeldbestand aus und schwächt unsere Position daher nicht", sagte RTL-Group-Sprecher Markus Payer dem Tagesspiegel. Im Jahr zuvor machte die RTL Group noch einen Gewinn von 67 Millionen Euro.

In einem schwachen Werbemarkt stagnierte der Umsatz der RTL Group bei 4,5 Milliarden Mark. Besserung ist vorerst nicht in Sicht. "Wir erwarten eine Erholung des Werbemarktes nicht vor der zweiten Jahreshälfte", sagte Vorstandsvorsitzender Didier Bellens dem Handelsblatt. Experten erwarten, dass der deutsche TV-Werbemarkt im laufenden Jahr um zwei Prozent schrumpfen wird.

Die RTL Group mit ihren großen Sendern wie RTL (Deutschland), M 6 (Frankreich) und Channel 5 (Großbritannien) versucht jetzt, die Kosten drastisch zu senken. "Wir fahren ein nachhaltiges Sparprogramm. Wie werden die Portfoliobereinigungen fortsetzen und auch weiter die Kosten dämpfen", sagt Bellens. So wurden kürzlich 40 Beschäftigte der nur noch 90 Mitarbeiter umfassenden Holding entlassen. Außerdem trennte sich der Konzern von verlustreichen Töchtern wie dem polnischen Kanal RTL 7. Um die Kosten Kosten zu senken, will Bellens die Zusammenarbeit der europaweit 23 Fernsehkanäle und 14 Radiostationen verbessern. Ein Erwerb des TV-Produzenten Endemol vom spanischen Telekomkonzern Telefonica ist vorerst vom Tisch. Bellens: "Es gibt keine Verhandlungen mit Telefonica über einen Erwerb von Endemol."

Das Flaggschiff der RTL Group, der deutsche Sender RTL Television, habe durch erfolgreiche Formate wie die Quiz-Sendung "Wer wird Millionär" seine Position als Marktführer in der für Werbung relevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen ausbauen können. Dennoch sei der Umsatz von RTL in Deutschland gesunken, ebenso wie beim britischen Sender Channel 5. Der Sender M6 in Frankreich habe dagegen seinen Umsatz steigern können.

Auch an den Mutterkonzern Bertelsmann will die RTL Group stärker heranrücken. Bellens liegt damit ganz auf dem Kurs von Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff. Der will den Medienkonzern 2005 an die Börse bringen und hat mit dem Fernsehgeschäft den Wachstumsmarkt der Zukunft ausgemacht. Die RTL Group führt dagegen an der Börse nur noch ein Schattendasein. Gestern notierte die Aktie nahezu unverändert bei 44,6 Euro. Bertelsmann gehört nach der Übernahme des Anteils der Mediengruppe Pearson 89 Prozent der RTL Group und will die restlichen elf Prozent Streubesitz für 44 Euro pro Aktie aufkaufen. Damit will Bertelsmann das eigene Portfolio bereinigen und die Voraussetzungen für den Börsengang des Konzerns schaffen.

Die zu 89 Prozent an der RTL Group beteiligte Bertelsmann AG versucht derzeit, die rund 10,3 Prozent der noch in Streubesitz befindlichen RTL-Anteile aufzukaufen. Das Gebot von 44 Euro je Aktie entspricht dem Preis, den Bertelsmann im Dezember für den damals noch von Pearson gehaltenen Anteil an RTL geboten hatte. Eine Gruppe von Minderheitsaktionären sperrt sich jedoch gegen die Offerte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar