Rudolf-August Oetker : "Puddingkönig" wird 90

Er gilt als Held aller Hausfrauen und wird als Puddingkönig verehrt. Doch obwohl "Dr. Oetker" in deutschen Küchen einen Stammplatz hat und fast jedes Kind seinen Namen kennt, hält sich der Begründer der Erfolgsmarke stets im Hintergrund.

Hamburg - Dabei war es Rudolf-August Oetker, der aus der Bielefelder Backpulverfabrik seines Großvaters ein großes deutsches Familienunternehmen mit weltweiten Vernetzungen schmiedete. Am Mittwoch feiert der Firmenpatriarch seinen 90. Geburtstag. Fleiß, Wagemut sowie westfälische Sparsamkeit und ein unternehmerischer "Riecher" werden ihm nachgesagt.

Mit 25 Jahren steigt der gelernte Bankkaufmann Rudolf-August Oetker in die Familienfirma ein, die damals sein Stiefvater Richard Kaselowsky führt. Als dieser 1944 bei einem Bombenangriff stirbt, nimmt der 28-Jährige selbst auf dem Chefsessel Platz. Schon kurz nach Kriegsende beginnt er mit dem Wiederaufbau des Unternehmens und erschließt neue Märkte. Dabei erwirbt er sich einen Ruf als Pfennigfuchser, der abends in den Büros eigenhändig das Licht ausschaltet.

Riecher für Trends

Vor allem Oetkers Werbestrategien gehen auf: Im Fernsehen legt "Frau Renate" in den so genannten Wirtschaftswunderjahren deutschen Hausfrauen Dr. Oetker-Produkte wie Backpulver und Pudding ans Herz. In den sechziger Jahren macht Marie-Luise Haase die Dr. Oetker-Versuchsküche in TV-Werbespots berühmt. Zugleich hat der rührige Unternehmer einen Riecher für Trends. Als die Tiefkühltruhen in den Haushalten Einzug halten, erweitert er das Sortiment um Eiscreme und bringt 1970 die erste Tiefkühlpizza auf den deutschen Markt.

Doch Rudolf-August Oetker setzt nicht alles auf die Karte Backpulver/Pudding. Gemäß seinem unternehmerischen Motto "Lege nie alle Eier in einen Korb!" investiert er Gewinne auch in Bierbrauereien, Sektkellereien sowie in Frachtschiffe und kauft eine Bank und eine Versicherung. Die heutige Oetker-Gruppe nimmt Gestalt an.

Jahresumsatz von sieben Milliarden Euro

1981 zieht sich der Unternehmer, der zu den reichsten Männern Deutschlands gehört, stärker ins Privatleben zurück und übergibt die Zügel an seinen ältesten Sohn August. Heute beschäftigt die Firmengruppe weltweit mehr als 22.000 Menschen und erzielt einen Jahresumsatz von rund sieben Milliarden Euro. Dabei ist Rudolf-August Oetker der Firma noch heute als Beiratsvorsitzender verbunden und wird von den Mitarbeitern fast liebevoll "RAO" genannt.

Privat durchlebt der achtfache Familienvater im Dezember 1976 seine vermutlich schwärzesten Stunden, als sein damals 25 Jahre alter Sohn Richard entführt wird. Erst gegen ein Lösegeld von umgerechnet gut zehn Millionen Euro kommt er frei. Oetker, der in dritter Ehe verheiratet ist, lebt in Bielefeld. Sozialen Anliegen und besonders der Kunst widmet sich der leidenschaftliche Pfeifenraucher, ist als Sammler und Mäzen aktiv.

Ehrenbürger der Stadt Bielefeld

Die Stadt Bielefeld machte ihren berühmten Unternehmersohn zum Ehrenbürger. Konflikte scheut dieser aber nicht: Als 1998 der Bielefelder Stadtrat entscheidet, die von Oetker maßgeblich finanzierte Kunsthalle nicht nach seinem Stiefvater zu benennen, der in der Nazizeit enge Verbindungen zur SS gepflegt hatte, zieht Oetker seine Leihgaben verärgert aus der Kunsthalle zurück.

Seinen 90. Geburtstag will der Unternehmer im Kreise seiner Familie verbringen und sonst nur mit Managern und Firmenpensionären feiern. Dabei unterstreicht er seinen Ruf als bescheidener Mann und verzichtet auf Geschenke. Zumindest der Geburtstagskuchen für Rudolf-August Oetker sollte aber gelingen. (Von Julia Deppe/AFP)

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