Wirtschaft : Rückendeckung in der Wüste

Die Finanzwelt unterstützt Deutsche-Bank-Chef Ackermann nach der Anklage. Der denkt nicht daran zu gehen

Rolf Obertreis

Dubai. Die Nachricht ereilt die Finanzszene mitten in der Wüste. In Jeeps lassen sich Banker und Notenbanker, darunter Finanzminister Hans Eichel, Bundesbank-Präsident Ernst Welteke und Wim Duisenberg, Präsident der Europäischen Zentralbank, unweit von Dubai über Sanddünen schaukeln, wagen einen Ritt auf einem Kamel und genießen ein üppiges arabisches Abendessen. Herein platzt die Nachricht, dass Deutsche- Bank-Chef Josef Ackermann vor Gericht muss. Bundesbank-Chef Welteke schüttelt den Kopf, den Gesichtern anderer Banker kann man den Ärger ablesen. Das Verfahren trifft die deutsche Bank- und Finanzszene ins Mark. Später findet zumindest Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter Worte. „Das ist ein Schock für die deutsche Bankenszene, das geht uns ziemlich nah. Nicht nur für Walter ist die Anklage abwegig. „Ackermann ist extrem glaubwürdig und ungewöhnlich integer.“ Selbst Finanzminister Hans Eichel bekennt in Dubai: „Herr Ackermann hat unser vollstes Vertrauen.“.

Nicht nur in deutschen Bankenkreisen bestimmt der Name Ackermann die Diskussion. Auch in internationalen Finanzkreisen fragt man sich, was auf dem Spiel steht und was deutsche Gerichte umtreibt. Ackermann ist schließlich auch international hoch angesehen, ist Vorsitzender der internationalen Banken-Vereinigung IIF, die sich ebenfalls in Dubai im noblen Jumeirah Beach Hotel versammelt. Zu einem hochrangig besetzten Seminar. Und eigentlich zu dem Zweck, die wieder deutlich bessere Lage im Bankgeschäft ein wenig zu feiern.

Stattdessen laufen viele Banker in ihren dunklen Anzügen mit betroffenen Mienen herum. Aber Ackermann erfährt uneingeschränkte Unterstützung. „Joe Ackermann ist der hoch geschätzte und integre Vorsitzende der Deutschen Bank“, versichert Cees Maas von der niederländischen Finanzgruppe ING stellvertretend für seine Kollegen.

Eigentlich bietet Dubai nicht nur wegen des luxuriösen Umfeldes, sondern auch wegen der besseren Aussichten für die Weltwirtschaft endlich wieder einmal Anlass für freundlichere Gesichter. Seit langen nicht mehr war die Stimmung auf einer Weltwährungskonferenz so entspannt. Europäer und Amerikaner vertragen sich, die Chinesen und Japan wollen bei den Wechselkursen mehr Flexibilität demonstrieren, und selbst die sonst immer sehr skeptischen Notenbanker stören das Bild kaum.

Wim Duisenberg, Präsident der Europäischen Zentralbank, ist sogar ausgesprochen zufrieden über das, was in Dubai von den Industrieländern und vom Internationalen Währungsfonds demonstriert wird. Auch wenn der clevere Niederländer mit seinen Äußerungen wieder Raum lässt für Spekulationen und Zinsschritte. Aber den Trip in die Wüste lässt sich auch Duisenberg bei seinem letzten Auftritt auf einer Weltwährungskonferenz nicht entgehen.

Auch zum Abschluss der Tagung sind keine lauten Klagen zu hören. „Meine Position ist klar“, sagt Ackermann. Mehr nicht. Er weiß um die uneingeschränkte Unterstützung durch seine Vorstandskollegen (siehe Lexikon) und durch seinen Aufsichtsrat. Ackermann will im Amt bleiben. Und den Job nicht einmal ruhen lassen.

Das freundliche Lächeln allerdings ist dem Schweizer in Dubai seltener anzusehen als sonst.

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