Wirtschaft : Rund um die Uhr: Die Berliner Börse ist aufgeschlossen gegenüber längeren Handelszeiten

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Können Privatanleger künftig 24 Stunden - Tag und Nacht - an ihrer Börse Wertpapiere kaufen und verkaufen? "Finanzplatz Berlin - Liegt die Zukunft im 24-Stunden Handel?" Zu einer Diskussion über diese Frage hatte am Donnerstagabend der Berliner Börsenkreis Mitglieder, Interessierte und nicht zuletzt die Akteure der Berliner Börse eingeladen - Und die Resonanz war groß. In den Konferenzraum im Ludwig-Erhard-Haus mussten zusätzliche Stühle geschafft werden.

Holger Timm, Vorstandsvorsitzender der Beliner Effektengesellschaft, vertrat sicherlich die am weitesgehende Forderung. An der Berliner Börse sollten alle Wertpapiere gehandelt werden, und dies auch zu möglichst extremen Handelszeiten, so sein Anspruch. Wenn der Anleger morgens um vier Uhr japanische Aktie kaufen wolle, warum dann nicht an der Berliner Börse? Diese Zielsetzung bedeutet aber auch Zurückhaltung bei Kooperationen. Nicht die Zusammenarbeit, sondern der Ausbau der eigenen Stärke, steht bei Timm im Vordergrund. Aber natürlich gestand auch Timm ein: Es muss sich rechnen, auch für den Intermediär.

Ein Punkt, den auch der Geschäftsführer der Berliner Wertpapierbörse, Jörg Walter, ansprach. Grundsätzlich erwartet auch er immer längere Börsen-Handelszeiten, aber Kraft seines Amtes ist er geradezu verpflichtet, die Kosten im Auge zu behalten. So musste Walter auch berichten, dass die jüngste Verlängerung der Handelszeit an der Wertpapierbörse auf 20 Uhr noch relativ wenig zusätzliche Umsätze gebracht habe. Deshalb wird eine Ausdehnung auf 22 Uhr wohl genau überlegt werden müssen. Doch Walter bekundete auch Mut zum Experiment. Eine Verlängerung des Handels bis beispielsweise 24 Uhr müsse ja nicht für immer gelten. Ein solcher Versuch könne auch wieder eingestellt werden. Eines ist sicher: Sollte eine der deutschen Börsen an eine Verlängerung denken, Berlin wird zur Vorhut gehören.

Daniela Gebauer als Vertreterin des deutschen Aktieninstitus (DAI) blieb es überlassen, auf die Risiken hinzuweisen. Schon heute ist der Markt in den späten Stunden nicht immer so liquide wie es wünschenswert wäre, sagte sie. Auf wenig liquiden Märkten aber können Privatanleger von den Institutionellen eher einmal "über den Tisch gezogen werden".

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