Wirtschaft : Rupert Murdoch setzt sich durch

LONDON (tor/tag/HB/rtr/Tsp).Der Weg für die geplante Übernahme des britischen Fußball-Klubs Manchester United durch den australischen Medienunternehmer Rupert Murdoch ist frei.Der börsennotierte Verein teilte am Mittwoch in London mit, er habe das Übernahmeangebot des zur Murdoch-Gruppe gehörenden britischen Satelliten-Fernsehsenders BSkyB im Wert von 623,4 Mill.Pfund (rund 1,8 Mrd.DM) akzeptiert.Die zuständigen Kartellbehörden müssen der Übernahme aber noch zustimmen.

Murdochs News Corp ist mit 40 Prozent an BSkyB beteiligt.Der Pay-TV-Sender verfügt derzeit über die Exklusiv-Rechte zur Übertragung der Fußballspiele in der englischen Premier League, in der die 20 besten Fußballmannschaften spielen.Der Vertrag läuft im Jahr 2001 aus.Branchenkenner sagten, durch die Übernahme von Manchester United sichere Murdoch seine Beteiligung an einem lukrativen Markt, der durch den Ausbau des Digitalfernsehens weiter an Bedeutung gewinnen werde.

BSkyB bietet für eine Manchester-United-Aktie 120 Pence in bar plus 0,2537 neue BSkyB-Aktien.Der Kaufpreis beträgt somit etwa 240 Pence je Anteilsschein.Die Aktie des Fußball-Klubs legte im frühen Handel an der Börse in London gegenüber dem Vortagesschluß mehr als zehn Prozent auf 220 Pence zu.

Schon die Nachricht von Murdochs Interesse hatte die Anleger an der Londoner Börse zu Wochenbeginn nahezu euphorisch gestimmt: Der Kurs von Manchester war am Montag zeitweise um mehr als ein Drittel auf 225 Pence je Aktie in die Höhe geschossen.Fußballanhänger und Politiker befürchten aber, daß Murdoch im britischen Fußball zur alles bestimmenden Größe werden könnte.Die Fans des Clubs riefen zum öffentlichen Protest gegen die Übernahme auf.

BSkyB hatte die Übertragungsrechte für die englische Premier League vor zwei Jahren für rund 650 Mill.DM verlängert.Mit einem Einstieg bei Manchester könnte sich Murdoch nicht nur eine gewichtige Stimme bei den Verhandlungen um Fernsehrechte sichern, sondern besäße zudem einen Kandidaten für die geplante Europäische Fußball-Liga.Manchester United gilt als das Juwel der Premier League und als profitabelster Fußballclub der Welt.Größter Aktionär ist Chairman Martin Edwards, der 14 Prozent der Anteile hält und beim Verkauf einen stattlichen Gewinn machen würde.Mehr als die Hälfte der Aktien ist im Besitz von institutionellen Investoren.Der gebürtige Australier Murdoch verfolgt in anderen Teilen der Welt eine ähnliche Strategie.So hat er sich in den USA in Baseball-, Basketball- und Eishockeymannschaften und in die American Football-Liga NFL Europe eingekauft und so die Position seiner Fernsehsender gestärkt.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gestattet Fußball-Clubs bislang nur die Rechtsform des eingetragenen Vereins.Der DFB-Bundestag wird den Clubs aber wahrscheinlich im Oktober die Umwandlung in Kapitalgesellschaften erlauben.Den Verkauf beispielsweise von Borussia Dortmund an Fremdinvestoren will der DFB aber unmöglich machen.Auch bei der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft sollen lediglich 50 Prozent der Anteile minus eine Aktie verkauft werden dürfen.Als weitere Rechtsformen sind die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), die GmbH und die eingetragene Genossenschaft im Gespräch.

Nach Einschätzung von Branchenkennern sind derzeit nur wenige Vereine in Deutschland überhaupt reif für die Börse.Den meisten fehlt dazu das wirtschaftliche Potential.Einig ist man sich, daß Bayern München auf jeden Fall dazu gehört.Genannt werden auch Werder Bremen und Bayer Leverkusen.Borussia Dortmund gilt dagegen nur mit Abstrichen als börsenreif.Hertha BSC hat bereits abgewunken.Zu den ersten an der Börse wollen die Berliner nicht gehören.Dagegen hat die DG Bank vor wenigen Monaten ein Konzept vorgestellt, das einen gemeinsamen Börsengang aller 18 Erstligisten vorsieht.

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