Wirtschaft : Saab ist gerettet – nun doch

Der Traditionshersteller geht an zwei Konzerne

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Stockholm - Saab-Arbeiter Fredrik Almquist steht am Laufband in Trollhättan und lächelt vor den Fernsehkameras mit seinen Kollegen um die Wette. Man habe sich gerade Essen vom örtlichen Chinesen bestellt. Die Retter aus Fernost müssten gebührend gefeiert werden. Auf diesen Moment hätten sie schließlich alle lange gewartet, sagt Almquist und fügt hinzu: „Nu kör vi!“. Sinngemäß bedeutet das auf Deutsch „Nun geht's los!“, wortwörtlich passt es noch besser: „Nun fahren wir los!“

„Saab ist gerettet!“, titeln auch schwedische Medien, nachdem Firmenchef Victor Muller den buchstäblich in allerletzter Minute geglückten Komplettverkauf der schwedischen Automarke für 100 Millionen Euro an die chinesischen Konzerne Youngman und Pang Da bestätigte. Man sei sich in der Nacht zum Freitag in einer Mammutsitzung einig geworden, sagt Muller. Er versprach den 3500 Angestellten gleichzeitig, dass die Produktion im südwestschwedischen Trollhätten verbleiben werde. Zudem bestätigte der Saab-Chef, dass er auf der Suche nach einem Nachfolger sei.

Am Donnerstag hatte Muller eine gerichtliche 13-Uhr-Frist zur Einreichung neuer Unterlagen einfach ignoriert. Die Frist hatte die Fortsetzung des Gläubigerschutzes motivieren sollen. Den war er dem Gericht schuldig, weil es da noch hieß, die beiden chinesischen Unternehmen Youngman und Pang Da wollten von einer seit diesem Sommer zugesagten Teileigentümerschaft abspringen. Für Freitag war die völlige und dieses Mal tatsächlich unwiderrufliche Abwicklung von Saab initiiert worden.

Aber der in Schweden für seinen abenteuerlichen Schlingerkurs scharf kritisierte holländische Saab-Chef habe es nun doch allen gezeigt, lobte etwa das öffentlich-rechtliche Schwedische Radio SR, in dem ein überfroher Muller zu Wort kam: „Das ist fantastisch. Eine lange Zeit der Unsicherheit ist bald vorbei. Wir können unsere Schulden bezahlen, die Produktion nach einem halben Jahr wieder aufnehmen, die geplanten neuen Modelle herstellen und in China expandieren“, sagte er. „Ich glaube, dass wir unsere Pläne nun tatsächlich realisieren können.“ Dazu soll ein Saab-Kleinwagen als preiswerte Einsteigervariante gehören, der eine strategische Lücke im Sortiment füllen würde. Auch Werksvertreter der Gewerkschaft IF Metall, die vor zwei Jahren noch lauthals über damals mögliche chinesische Investoren meckerten, zeigen sich erfreut.

Dabei sind Pang Da und Youngman außerhalb Chinas recht unbekannt, sie haben nicht viel Kapital, und die Übernahme gilt als ungewöhnlich. Pang Da hat selbst noch nie Autos gebaut, ist aber die größte Autohändlerkette Chinas und betreibt laut eigenen Angaben über 1000 Verkaufsstellen. Erst Ende April ging Pang Da an die Börse in Schanghai. Pang Das Chef Pang Qinghua hält privat 26 Prozent am Konzern, was als gutes Zeichen für Saab gewertet wird. Der zweite frischgebackene Saab-Eigentümer Youngman hat dahingegen fundierte Fertigungskenntnisse. Der Lastwagen-, Bus- und Autobauer arbeitet unter anderem mit der britischen Automarke Lotus zusammen.

Victor Muller stand mit beiden chinesischen Unternehmen schon seit Anfang 2011 in Verhandlungen. Im Sommer erzielte er einen ersten Durchbruch. Wann genau das Geschäft formal abgeschlossen wird und welches der beiden Unternehmen welchen Anteil übernehmen wird, blieb am Freitag offen. André Anwar

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