Saab-Übernahme : Von null auf Tempo 400

Die kleine schwedische Manufaktur Koenigsegg kauft den insolventen Autohersteller Saab. Bisher baut sie rasend schnelle Autos für Superreiche. Und es ist fraglich, ob Koenigsegg den weitaus größeren Hersteller am Leben halten kann.

Kai Kolwitz

Kein chinesischer Hersteller, kein indischer und auch kein italienischer – eine schwedische Manufaktur für Sportwagen wird derzeit als Interessent für den insolventen Autohersteller Saab gehandelt. Der Name ist nur Insidern und Autofans ein Begriff: Koenigsegg.

Das Unternehmen hat sich – ähnlich wie die Konkurrenten Pagani, Noble oder Gumpert – auf einen kleinen Markt spezialisiert. In Ängelholm im südlichen Teil Schwedens baut Koenigsegg mit einen kleinen Team Spielzeuge für Superreiche, rasendschnell und exotisch gestylt. Wagen, gegen die Lamborghinis oder Ferraris wie Massenprodukte wirken.

Und wie Billigangebote: 650.000 Euro kostet es mindestens, einen Koenigsegg zu besitzen, wer möchte, kann auch 1,5 Millionen ausgeben – plus Mehrwertsteuer natürlich. Ein paar Dutzend Autos stellt Koenigsegg pro Jahr her. Die meisten Wagen verkauft die Manufaktur an Scheichs in den Arabischen Emiraten, an Oligarchen in Russland und an Superreiche in Asien.

Für ihr Geld bekommen die Käufer fast unschlagbar schnelle Sportwagen: Mehr als 400 Stundenkilometer Spitze schafft etwa das aktuelle Topmodell der auf sechs Exemplare limitierte CCXR Edition. In 2,9 Sekunden soll der Supersportler den Sprint von null auf 100 Stundenkilometern bewältigen, angetrieben von einem mehr als 1000 PS starken Motor, ummantelt mit einer leichten Kohlefaserhülle.

Koenigsegg hält nach einem Bericht des britischen Automagazins Top Gear noch einen anderen Temporekord: den für die größte jemals registrierte Geschwindigkeitsübertretung. Ein Wagen des schwedischen Herstellers soll dem Magazin zufolge mit Tempo 389 auf einem amerikanischen Highway ertappt worden sein. 120 Stundenkilometer waren erlaubt.

Doch Koenigsegg baut nicht nur schnelle Autos. Dem Unternehmen gelingt es auch, seine Produkte mit langem Atem weiter zu entwickeln – ungewöhnlich für die oft kurzlebige Szene der Kleinsthersteller. Auch die Technik der Autos ist anspruchsvoll: Als der damals 22-jährige Christian von Koenigsegg das Unternehmen 1994 gründete, ließ er noch getunte Ford-Rennmotoren in die ersten Sportwagen einbauen. Inzwischen hat die Manufaktur die alten Maschinen durch selbst entwickelte Motoren ersetzt. Auch das ist wegen der hohen Entwicklungskosten äußerst ungewöhnlich für ein Unternehmen, das nur wenige Autos pro Jahr produziert.

Unlängst stellte das Unternehmen seine Pläne für den Koenigsegg Quant vor, einen Supersportwagen mit vier Sitzen, der elektrisch angetrieben und mit Solarzellen bestückt werden soll.

Dennoch gibt es Experten in Schweden, die eine Übernahme von Saab durch Koenigsegg skeptisch sehen: 40 Angestellte würden auf 4000 Saab-Mitarbeiter treffen, kleine Werkstätten auf riesige Hallen, in denen jährlich Zehntausende Autos hergestellt werden. Fraglich ist zudem, ob Koenigsegg den weitaus größeren Hersteller am Leben halten kann. Auch ist unklar, wie Koenigsegg das Geschäft finanzieren will.

Eines haben Koenigsegg und Saab allerdings gemeinsam: Beide verkaufen ihre Autos maßgeblich über ihr Image. Und wie man das ausbaut und pflegt – damit kennt sich Koenigsegg aus.

ZEIT ONLINE

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