Wirtschaft : Saab versucht es noch mal mit China

Nach dem Rückzug von Hawtai will der chinesische Autohändler Pang Da die Schweden retten

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Stockholm - Die angeschlagene schwedische Traditions-Automarke Saab hat einen neuen Retter gefunden. Wieder ist es ein Chinese. Nachdem der chinesische Autohersteller Hawtai am Donnerstag kurzfristig abgesprungen war, will nun der größte chinesische Autohandelskonzern Pang Da einspringen. Dies teilte der holländische Saab-Eigentümer Spyker Cars am Montag mit.

Saab braucht dringend Geld. Seit Wochen steht die Produktion im Hauptwerk in Trollhättan still, weil der Konzern die Rechnungen der Lieferanten nicht mehr bezahlen kann. Laut Absichtserklärung will sich Pang Da für 65 Millionen Euro mit 24 Prozent an Spyker Cars beteiligen. Zudem wollen die Chinesen „unmittelbar“ 30 Millionen Euro an Saab zahlen. Dafür erhalten sie 1300 Autos, die ab September in China verkauft werden sollen. Danach werde man „unter gewissen Bedingungen“ weitere 15 Millionen Euro bereitstellen.

Pang Da ist mit rund 1100 angeschlossenen Autohändlern in 23 Provinzen der größte Autohandelskonzern Chinas und ist Ende April an die Börse gegangen. „Wir glauben, der Zeitpunkt ist perfekt für Saab, um in den chinesischen Markt zu gehen“, erklärte Pang-Da-Chef Pang Qinghuq am Montag. Bevor aus der Absichtserklärung ein Vertrag wird, müssen allerdings noch die Behörden in China und Schweden, die an einem Saab-Hilfskredit beteiligte Europäische Investitionsbank (EIB) und der amerikanische Ex-Saabeigentümer General Motors ihre Zustimmung geben. Saab-Chef Victor Muller gab sich am Montag optimistisch. Die neue Vereinbarung sei besser als die in der letzten Woche gescheiterte Zusammenarbeit mit dem Autobauer Hawtai. Mit einem „gigantischen Verkaufsnetz in China“ habe man nun die Möglichkeit erhöht, geeignete Produktionspartner zu finden, so Muller. Wann die Produktion in Trollhättan, wo 3500 Beschäftigte arbeiten, wieder anläuft, sagte er nicht.

In Stockholm wurde die Ankündigung überwiegend zurückhaltend aufgenommen. Bisher sind alle Anläufe Victor Mullers, Saab zu retten, gescheitert.

Ob es diesmal klappt, ist fraglich: Der Hawtai-Konzern, der nach einer Werksbesichtigung in Schweden wieder abgesprungen war, hatte Saab mit 150 Millionen Euro deutlich mehr Geld angeboten als Pang Da es nun tut. Der schwedische Branchenexperte Fredrik Sjöshult kritisiert: „Der Saabzirkus dreht sich weiter. Mit einem neuen chinesischen Akteur, der keine Autos herstellt, nicht genug Geld hat, um Saabs langfristige Probleme zu lösen und der nur die Hälfte von dem bezahlt, was die abgesprungene Hawtai in der letzten Woche bezahlen wollte.“André Anwar

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