Wirtschaft : Salomon verdirbt Adidas die Erfolgs-Bilanz

MÜNCHEN (tmh).Unerwartete operative Verluste beim Neuerwerb Salomon haben der Adidas-Salomon AG, Herzogenaurach, im ersten Halbjahr 1998 einen empfindlichen Rückschlag versetzt.Verantwortlich für die Misere sind Einbrüche im Golfgeschäft in den USA und Japan, erklärte Konzernchef Robert Louis-Dreyfus bei der Vorlage eines Zwischenberichts in München.Dem Teilkonzern Salomon verordnet er nun eine Umstrukturierung, die auch zur Abberufung des bisherigen Salomon-Chefs Jean-Francois Gautier geführt hat.Dieser sei "in gegenseitigem Einvernehmen" Anfang August zurückgetreten, hieß es offiziell.

Die Lage bei Salomon nannte Dreyfus angesichts von 29 Mill.DM operativen Verlusten im zweiten Quartal 1998 "sehr enttäuschend".Die dortige Führung übernehmen nun für eine Übergangszeit von mehreren Monaten er selbst sowie seine Adidas-Vorstandskollegen Christian Tourres und Michel Perraudin.Damit zieht der hinter dem US-Konzern Nike zweitgrößte Sportartikelhersteller der Welt die Konsequenz für die massiven Probleme bei der Golfmarke "Taylor Made", die Salomon herstellt.Allein im zweiten Quartal dieses Jahres verlor die Golfsparte in Japan über ein Fünftel ihrer Umsätze, was Salomon in die Verlustzone brachte.Abseits vom Golf legte der französische Neuerwerb zwar über ein Drittel beim Umsatz zu.Salomon ist allerdings zum überwiegenden Teil von der Golfsparte abhängig.

Insgesamt setzte Salomon zum Halbjahr knapp 600 Mill.DM um.Beim französischen Teilkonzern wird nun unter anderem das Produktprogramm gestrafft.Zudem wird das erst zu Jahresbeginn erworbene Unternehmen zunehmend in den Adidas- Teilkonzern integriert und nach dessen Vorbild umstrukturiert.Die Bereiche Forschung und Entwicklung beider Teilkonzerne werden verschmolzen.Der Teilkonzern Adidas ist dagegen weiter auf dem Vormarsch.Das gilt vor allem für die USA, wo der Umsatz bis Mitte 1998 um 85 Prozent zulegen und im kommenden Jahr um weitere 40 Prozent steigen soll.31 Prozent mehr Geschäft steuerte 1998 bislang der Heimatmarkt in Europa bei.Asien brachte dagegen angesichts der dortigen Krise einen 17prozentigen Umsatzrückgang, was die Ergebnisse der gesamten Gruppe mit 75 Mill.DM belastet.

Ohne den Neuerwerb Salomon hätten die Erlöse von Adidas um stolze 39 Prozent auf 4,4 Mrd.DM zugelegt.Dabei wuchs der Umsatz von Sportschuhen um 46 Prozent auf 2,1 Mrd.DM und der der Sparte Texitilien um 32 Prozent ebenfalls auf 2,1 Mrd.DM.Der Teilkonzern Adidas erzielte zum Halbjahr mit einem 55prozentigen Anstieg im Betriebsergebnis auf 444 Mill.DM den besten Wert seiner Firmengeschichte.

Der Durchhänger bei Salomon hat die Rentabilität der gesamten Gruppe aber deutlich verschlechtert, mußte Dreyfus einräumen, der auch Miteigentümer des Konzerns ist.Erste Versuche einer Kostenreduzierung bei Salomon hätten noch keine nachhaltige Wirkung gezeigt.Unter dem Strich wuchs das Vorsteuerergebnis der Adidas-Salomon-Gruppe im ersten Halbjahr 1998 um acht Prozent auf 379 Mill.DM und nach Steuern um vier Prozent auf 236 Mill.DM.Unter Einbeziehung von Sonderlasten durch eine Firmenwertabschreibung auf Salomon wies der Gesamtkonzern zum Halbjahr sogar 487 Mill.DM Verlust aus.Dennoch schließt Adidas eine Erhöhung der Dividende von zuletzt 1,65 DM je Aktie für 1998 nicht aus.

Unbeeindruckt von allen Problemen wuchsen die Umsätze inklusive Salomon bis Mitte 1998 um konzernweit 58 Prozent auf 4,9 Mrd.DM.Bis Ende 1998 peilen die Sportartikler rund zehn Mrd.DM Umsatz an, wozu auch ein Schub im Fußballgeschäft durch die jüngste Weltmeisterschaft beitragen soll.Bis Mitte 1998 sind die Auftragsbestände der Gruppe um fast ein Drittel auf 3,3 Mrd.DM gestiegen.Der Schuldenstand des Gesamtkonzerns lag Ende Juni 1998 nach der Salomon-Übernahme bei 3,6 Mrd.DM.Im kommenden Jahr peilt der Teilkonzern Adidas einen bis zu 20prozentigen Umsatzzuwachs und trotz der aktuellen Probleme weiterhin auch einen Gang an die US-Börse an.Zu Salomon gab das Management keine konkreten Prognosen ab.Die Belastung durch die Asienkrise solle im kommenden Jahr aber insgesamt abnehmen.

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