Wirtschaft : Satzzeichen

Christine-Felice Röhrs

Emoticons sind ein Code. Sie sind simpel und kühl und zugleich eine Explosion von Gefühl. Man braucht eine Computertastatur und die Satzzeichen – Klammern und Kommata, Plus und Minus, Prozentsymbol und Raute –, und kann ganze Weltkriege erzählen.

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In Jessica Durlachers Roman „Emoticon“ kommuniziert Daniel, ein jüdischer Junge, in diesem Code. Er schreibt E-Mails an Aischa.

Religiöser Führer: +

totgeschossen: *-)

zwinkernder Teufel: >->

eine harte Zeit erleben: :}

Aischa ist Palästinenserin. Daniel liebt Aischa, aber er ahnt nichts von dem Leben, das sie führt. Daniel und die Emoticons, das ist der erste von drei Handlungssträngen; durch Aischas Racheplan führt der zweite. Und dann sind da noch Lola und Ester. Eng verwoben ist das alles, mit schnellen Schnitten montiert, bis sich die drei Geschichten ineinander fügen. Und wie in ihrem Roman „Die Tochter“ mag Jessica Durlacher sich wieder nicht entscheiden zwischen Familiensaga, Politthriller, Geschichtsseminar und Sozialstudie. Das ist das Schöne an Durlachers Büchern. Sie sind immer mehr als nur eins.

Jessica Durlacher: Emoticon. Roman. Aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers. Diogenes Verlag, Zürich. 473 Seiten, 19,90 €.

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