Wirtschaft : Schäuble legt sich mit der Fondsbranche an

Minister lehnt neue offene Immobilienfonds ab.

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Berlin - Das Bundesfinanzministerium will offene Immobilienfonds radikal beschneiden. Neue Fonds soll es ab Mitte nächsten Jahres nicht mehr geben, sagte ein Ministeriumssprecher dem Tagesspiegel. Die bisher aufgelegten Publikumsfonds sollen jedoch bestehen bleiben.

Die Pläne haben die Investmentbranche in Aufruhr versetzt. „Ein Verbot neuer offener Immobilienfonds würde viele Kleinanleger vom Immobilienmarkt ausschließen“, sagte Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands BVI. Die Fonds seien für viele Anleger die einzige Möglichkeit, am Immobilienmarkt teilzuhaben. Am Mittwoch findet eine Anhörung im Ministerium statt. Dort will der Verband versuchen, die Pläne zu Fall zu bringen.

Doch das dürfte nicht so leicht werden. Denn die jüngsten Krisenfälle in der Branche geben dem Ministerium Munition. Mit dem CS Euroreal und dem SEB Immoinvest werden derzeit zwei milliardenschwere Fonds abgewickelt. Insgesamt stehen neun Fonds vor der Auflösung, fünf weitere sind „eingefroren“, die Anleger kommen derzeit nicht an ihr Geld. „Offene Immobilienfonds sind sehr krisenanfällig“, heißt es im Ministerium. Das Problem: Bei offenen Immofonds können Investoren ihr Kapital jederzeit zurückverlangen. Da die Fonds jedoch einen Großteil des Vermögens in Immobilien investiert haben, können sie das Geld nicht so schnell flüssig machen. Um dieses Dilemma zu beheben, treten am 1. Januar 2013 neue Halte- und Kündigungsfristen in Kraft: Privatanleger können dann nur noch 30 000 Euro pro Halbjahr abheben. Wer mehr will, muss kündigen – allerdings geht das künftig nur noch einmal im Jahr. Verbraucherschützer raten, diese neuen Vorschriften erst einmal abzuwarten. Erst nach zwei Jahren solle man entscheiden, ob nachgesteuert werden müsse, heißt es in einer Stellungnahme des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (VZBV). Für Kleinanleger seien die Fonds „eine sinnvolle Möglichkeit“, an der Wertschöpfung im Immobilienbereich zu partizipieren. Heike Jahberg

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