Schering : Abwehrkampf hinterlässt Spuren

Der Übernahmekampf gegen Merck hat das Berliner Pharmaunternehmen Schering in den vergangenen Monaten mehr Geld gekostet, als von Beobachtern erwartet. Dennoch bleiben die Prognosen günstig.

Berlin - Schering gab sich am Dienstag bei der Vorstellung seiner Halbjahresbilanz optimistisch und hob die Umsatzprognose für das Gesamtjahr an. Der Grund: Das Geschäft mit den umsatzstärksten Medikamenten, dem Multiple-Sklerose-Präparat Betaferon und dem Verhütungsmittel Yasmin, entwickelt sich sehr erfolgreich.

Auf rund 125 Millionen Euro bezifferte das Unternehmen die übernahmebedingten Kosten für Banken, Anwälte, Berater und Anzeigenkampagnen in den ersten sechs Monaten 2006. Bevor Schering für rund 17 Milliarden Euro von Bayer übernommen wurde, hatte es sich im Frühjahr gegen einen feindlichen Übernahmeversuch durch den Darmstädter Medikamentenhersteller Merck gewehrt. Zudem belastete der Verkauf des Radiopharmaka-Geschäfts.

Die Belastungen führten im zweiten Quartal zu einem deutlich stärkeren Gewinnrückgang, als von Analysten erwartet. Nach 176 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum sank der Gewinn von April bis Juni auf 127 Millionen Euro, obwohl Analysten im Durchschnitt mit 148 Millionen Euro gerechnet hatten. Auch beim operativen Ergebnis lag der Konzern mit 170 Millionen Euro deutlich stärker unter dem Vorjahreswert von 236 Millionen Euro, als von Experten mit 227 Millionen Euro prognostiziert worden war. Der Umsatz entsprach mit 1,42 Milliarden Euro allerdings den Erwartungen der Marktbeobachter.

Im Gesamtjahr erwartet Schering nun ein Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich. Bisher hatte Schering eine Zunahme im «mittleren bis hohen» einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt. «Die guten Zahlen belegen den Erfolg unserer Produkte im Markt sowie das außerordentliche Engagement unserer Mitarbeiter», sagte der Vorstandsvorsitzende Hubertus Erlen.

Erfolg mit Betaferon und Yasmin

Allein beim wichtigsten Medikament Betaferon werde nun mit einem Umsatzzuwachs im zweistelligen Prozentbereich im Gesamtjahr gerechnet, nachdem bislang von einer Zunahme im hohen einstelligen Bereich die Rede war. In den ersten sechs Monaten waren die Betaferon-Erlöse um 17 Prozent auf 481 Millionen Euro geklettert. Die Umsätze bei Yasmin, dem nach Schering-Angaben weltweit erfolgreichsten oralen Verhütungsmittel, kletterten im gleichen Zeitraum sogar um 33 Prozent auf 351 Millionen Euro.

Analysten der HypoVereinsbank und der Landesbank Rheinland-Pfalz zeigten sich vor allem enttäuscht von den hohen Belastungen durch den Übernahmekampf. Andere Marktbeobachter lobten dagegen den positiven Ausblick. Von den Zahlen profitierte vor allem der neue Mutterkonzern Bayer. Die Aktie verteuerte sich am Vormittag um 0,7 Prozent auf 38,65 Euro. Die Schering-Papiere, die bereits zu über 90 Prozent von Bayer gehalten werden, notierten bei 91,37 Euro mit 0,1 Prozent im Plus. Bayer hatte 89 Euro je Schering-Aktie gezahlt. (Von Ralf Beunink, ddp)

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