Wirtschaft : Schering erwartet schwaches erstes Quartal

Starker Euro drückt den Umsatz / Berliner Pharmakonzern hält trotzdem an Prognosen für 2003 fest

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Berlin (pet). Hubertus Erlen, Vorstandschef des Berliner Pharmaunternehmens Schering, hält trotz des schwierigen Umfeldes an den Prognosen für das laufende Jahr fest. „Wir sind zuversichtlich, dass wir unsere Ziele erreichen können – sofern uns nicht die politischen und geopolitischen Rahmenbedingungen vor völlig neue Herausforderungen stellen“, sagte Erlen am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Berlin. Für das laufende Jahr erwartet er bei Umsatz und Ertrag ein Wachstum im hohen einstelligen Bereich. „Wir haben eine kerngesunde Basis und die richtige Zukunftsstrategie“, versicherte Erlen seinen Aktionären.

An dem Aktienkurs des DaxUnternehmens spiegelte sich das am Donnerstag allerdings nicht wider. Der Kurs gab bis zum Handelsschluss in einem schwachen Gesamtmarkt um 4,47 Prozent auf 39,98 Euro nach. Zuvor hatte die Investmentbank UBS Warburg den Pharmawert herabgestuft. Analysten begründeten den Kursverlust auch mit der drohenden Positivliste, die die Kosten für Medikamente drücken soll und die Branche belastet. Auch die enttäuschenden Zahlen des Schweizer Pharmakonzerns Roche hätten die Schering-Aktie nach unten gezogen. Ob die Aktie sich mittelfristig wieder erholt, hängt auch von den Zahlen für das erste Quartal 2003 ab, die Schering am 29. April vorlegen will. „Ich erwarte, dass die Aktie auch in den nächsten zwei bis drei Wochen noch unter Druck stehen wird“, sagte Pharma-Analyst Marcus Konstanti von der Privatbank Sal. Oppenheim.

Schering-Chef Erlen hat am Donnerstag angedeutet, dass die Umsatzentwicklung im ersten Quartal schwächer als erwartet ausfallen könnte. Er begründete dies mit den schwierigen Wechselkursen. Schering macht ein Drittel seines Geschäftes in Euro, gut zwei Drittel in ausländischen Währungen. Da das Unternehmen aber in Euro bilanziert, müssen Umsätze in Dollar, Peso oder Yen in Euro umgerechnet werden. Verlieren die Fremdwährungen gegenüber dem Euro an Wert, schmälert das den Umsatz.

Trotzdem sieht sich das Unternehmen auch beim Erreichen der langfristigen strategischen Ziele auf gutem Weg. Bis 2005 soll der Konzernumsatz auf sechs Milliarden Euro steigen, bis 2007 auf sieben Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2002 setzte Schering rund fünf Milliarden Euro um und verbuchte einen Konzerngewinn von 867 Millionen Euro. Um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, setzt Schering auf drei Säulen: Einer der Wachstumstreiber sollen die Hormonprodukte sein. Hier setzt Schering insbesondere auf die neue Antibaby- Pille Yasmin, die sich nach Unternehmensangaben vor allem in den USA gut verkauft. Etwas mehr Geduld braucht Schering bei dem Hormonersatzpräparat Angeliq. Die US-Zulassungsbehörde FDA hatte die für 2002 erwartete Zulassung nicht erteilt. Schering rechnet jetzt 2004 damit. Außerdem erwartet Schering eine bessere Marge bei seinem umsatzstärksten Produkt Betaferon, einem Mittel gegen Multiple Sklerose. Und auch der Umsatz in den USA, , dem wichtigsten Pharmamarkt der Welt, soll überdurchschnittlich wachsen.

Verbesserungspotenzial sieht das Unternehmen bei der Umsatzrendite, also dem Verhältnis von Umsatz zum Betriebsgewinn. 2005 und 2006 soll sie auf 18 Prozent steigen. Derzeit liegt Schering bei 15 Prozent. „Bei der Rentabilität unserer Produkte liegen wir nicht in der Spitzengruppe“, sagte Finanzvorstand Klaus Pohle. Für den 65-Jährigen war es die letzte Hauptversammlung. Nach mehr als 22 Jahren im Vorstand geht der hoch gelobte Manager in den Ruhestand. Nachfolger wird Jörg Spiekerkötter (44).

Die Aktionäre zeigten sich mit der Entwicklung des Pharma-Konzerns im Großen und Ganzen zufrieden. „Der Kursverlauf ist zwar leider deutlich rückläufig“, sagte Malte Diesselhorst von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, „aber die positiven Aspekte überwiegen bei weitem.“ Die Aktionäre erhalten für 2002 eine Dividende von 0,93 Euro, nach 0,83 Euro im Vorjahr. Die Hauptversammlung ermächtigte den Vorstand, bis zu 15 Millionen eigene Aktien zurückzukaufen.

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