Wirtschaft : Schering verschwindet endgültig Zwangsabfindung für restliche Aktionäre

Maren Peters
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Berlin - Bayer darf nun auch die letzten Schering-Aktionäre vor die Tür setzen. Ein Gericht hat dem Leverkusener Konzern, der den traditionsreichen Berliner Pillenproduzenten im Sommer 2006 übernommen hatte, erlaubt, die restlichen Schering-Anteilseigner abzufinden. „Bayer ist ab sofort alleiniger Eigentümer der Bayer Schering Pharma AG“, teilte der Konzern am Donnerstag mit, nachdem der Beschluss auch ins Handelsregister eingetragen worden war.

Der Handel mit der Aktie von Bayer Schering Pharma – dem Nachfolger von Schering – wurde am frühen Nachmittag eingestellt. Das Papier notierte zuletzt noch bei 106,90 Euro – das war ein Plus von 1,2 Prozent gegenüber dem Vortag. Der Preis liegt auch deutlich über der Abfindung von 98,98 Euro, die Bayer den Aktionären zahlen wird.

Mit der Zwangsabfindung setzt Bayer den endgültigen Schlusspunkt unter die knapp 17 Milliarden Euro teure Übernahme. Der Konzern hielt zuletzt 96,3 Prozent an Schering. Ab einem Anteil von 95 Prozent am übernommenen Unternehmenskapital darf der Käufer die übrigen Aktionäre zwangsabfinden. Squeeze-out heißt das in der Börsensprache, auf deutsch: „Ausquetschen“.

Möglich gemacht wurde diese Zwangsabfindung durch einen Beschluss des Kammergerichts Berlin (AZ.: 14 W 44/08) vom vergangenen Freitag. Damit gaben die Richter einem Antrag der Bayer Schering Pharma AG auf Freigabe der Eintragung ins Handelsregister statt. Rechtsmittel dagegen sind nicht mehr möglich, sagte eine Gerichtssprecherin.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Bayer nun Ruhe hat, ist dennoch gering: 90 Prozent aller Zwangsabfindungen enden nach Auskunft der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mit einem sogenannten Spruchverfahren. „Da geht’s nur noch um einen höheren Preis“, sagte DSW-Sprecher Marco Cabras. Wer sich auf das Pokerspiel einlässt, braucht Geduld. Das längste Spruchverfahren war laut DSW erst nach 17 Jahren beendet. Maren Peters

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