Wirtschaft : Schlafen ohne Firlefanz

Die Münchener Kette Motel One expandiert.

Markus Fasse
In jedem Haus
In jedem HausFoto: picture-alliance / obs

München - Dieter Müller hat ein einfaches Produkt. „Erstklassige Designmöbel, Freundlichkeit, Sauberkeit und beste Lagen“ erwarteten den Gast in seinen Häusern. An Komfort werde nicht gespart. „Bei uns sind die Handtücher genauso dick wie in einem Sternehaus“, verspricht der Gründer, Großaktionär und Vorstandsvorsitzende von Motel One.

Die im Jahr 2000 gegründete Kette reduziert die Übernachtung auf das Wesentliche. 69 Euro kosten die 16 Quadratmeter großen Einzelzimmer mit Flachbildschirm-Fernseher. Das Frühstück wird extra berechnet. Restaurants sucht man im Motel One ebenso vergebens wie Tagungsräume oder Schwimmbäder. Das ist effektiv: Müller kann in seinen Hotels in der Innenstadt doppelt so viele Gäste unterbringen wie die etablierte Konkurrenz.

Budgethotels wie Motel One boomen, sagen Experten – auch weil Unternehmen ihre Reisekosten seit der Finanzkrise gesenkt haben. „Deutschland ist noch verhältnismäßig unterentwickelt, und es ist eigentlich noch Platz für weitere Kapazitäten“, sagt Stephan Gerhard von der Münchener Beratungsagentur Treugast. So liege der Marktanteil der Billighotels in Deutschland bei rund zehn Prozent, in England sind es 25, in Frankreich bereits 60 Prozent.

Aus Frankreich kommen die Pioniere der Branche. Die Accor-Gruppe, der frühere Arbeitgeber von Müller, ist mit seiner Ibis-Kette Marktführer. 88 Häuser hat Ibis Deutschland, gefolgt von der Kette B&B. Motel One ist die Nummer drei, wächst aber mit seinen Designhotels am schnellsten. Die Konkurrenz reagiert: In der Nähe des Potsdamer Platzes in Berlin eröffnete jüngst ein Ibis-Hotel mit knallbunten Designermöbeln.

Motel One profitierte kräftig und konnte 2012 seinen Umsatz um ein Drittel auf 175 Millionen Euro steigern, der Gewinn stieg um 45 Prozent auf 34 Millionen Euro. Neue Häuser entstehen in Dresden, Düsseldorf, Frankfurt, Köln und Wien. Mit 582 Zimmern planen die Münchener gemeinsam mit Strabag am Kudamm das höchste Gebäude im Westen Berlins. Markus Fasse (HB)

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