Wirtschaft : Schlankheitskur soll den Chemiekonzern für die Börse fit machen

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Nach der Abspaltung von Hoechst muss der Chemiekonzern Celanese AG zunächst das eigene Beteiligungs-Portfolio bereinigen und zahlreiche Bereiche und Tochterunternehmen verkaufen, bevor er sich nach Angaben des designierten Vorstandschefs Claudio Sonder auf sein Kerngeschäft konzentrieren und zu "einer gesunden Gesellschaft" werden kann. Am Mittwoch Abend bekräftigte Sonder im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten, dass mit der Restrukturierung noch in diesem Jahr begonnen werden soll. Schon im Oktober wird die Aktie an den Börsen in Frankfurt und New York eingeführt. Die Erstnotiz ist für den 4. Oktober geplant. Hoechst-Aktionäre erhalten für zehn Hoechst-Aktien eine Celanese-Aktie.

In die Celanese bringt Hoechst seine gesamten Chemie-Aktivitäten ein. Mit einem Umsatz von gut zehn Mrd. DM und weltweit rund 17 500 Mitarbeitern gehört Celanese zu den größten Unternehmen der Branche. Trennen will sich Celanese von der Polypropylen-, der PVC- und der Fluorpolymere-Sparte und damit von den Firmen Targor, Vinnolit und Dyneon. Auch das Phosphor- und das Membrangeschäft sollen innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre veräußert werden. Insgesamt geht es dabei um ein Umsatzvolumen von einer Mrd. DM. Über mögliche Erlöse machte Sonder keine Angaben. "Nach dem Jahr 2000 sind wir von den Hoechster Erblasten befreit", gibt sich der Celanese-Chef optimistisch. Eine mögliche Fusion mit einem anderen Konzern steht für ihn nicht zur Diskussion. "Mit fünf Mrd. Euro ist Celanese groß genug, alleine ihre Zukunft zu finden." Mit den Schlüsselprodukten sei Celanese weltweit die Nummer eins oder Nummer zwei der Branche. Allerdings denke man durchaus an Übernahmen, um das Kerngeschäft auszubauen.

Einfach wird dieser Weg allerdings nicht. Von Hoechst übernimmt Celanese Netto-Schulden in Höhe von einer Mrd. Euro. Das ist allerdings deutlich weniger als noch im Frühjahr geplant. Auch die Chemie-Konjunktur ist längst noch nicht wieder richtig in Fahrt, auch wenn Sonder "das Ende des Tals" erreicht sieht. Aber auch er verweist auf Überkapazitäten, steigende Rohstoffpreise und generellen Preisdruck. Im nächsten Jahr erwartet er gleichwohl wegen der günstigeren Wirtschaftslage eine bessere Auslastung der Kapazitäten und damit wieder steigende Margen. Im zweiten Quartal 1999 hatte die Chemie-Sparte von Hoechst einen operativen Verlust von drei Mill. Euro verbucht, nach einem Gewinn von 148 Mill. Euro im Vorjahresabschnitt.

Um die Kosten zu drücken, wird die Celanese mit künftigem Sitz in Kronberg im Taunus rund 1000 der weltweit 17 000 Arbeitsplätze abbauen, vor allem in Nordamerika, betonte Sonder.

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