Wirtschaft : Schlaraffenland gibt es nicht (Kommentar)

Margarita Chiari

Etwas läuft falsch in deutschen Landen. Glaubt man dem Bauernpräsidenten, dann stehen deutsche Lebensmittel ganz oben auf der Wunschliste der durch BSE- und Dioxin-Skandale verunsicherten Verbraucher. Bei sensiblen Produkten würden gar 98 Prozent der Käufer den heimischen Erzeugnissen den Vorzug einräumen - wenn sie der deutsche Handel denn nur in ausreichender Menge anböte. Das ist eine ziemlich kühne Behauptung der Lobby. Denn im Umkehrschluss müssten die deutschen Verbraucher nun eigentlich Ökoläden, Reformhäuser und Wochenmärkte wie das sprichwörtliche Schlaraffenland stürmen.

Das ist falsch. Wahr ist, dass weite Teile der deutschen Landwirtschaft und Lebensmittelhersteller die Veränderungen des Marktes verschlafen haben. Die Konzentration des Handels ist seit langem in Gang. Dies ist keine reine Willkür der Handelskonzerne, die sich der zunehmenden internationalen Konkurrenz stellen, Kostensenkungspotentiale ausloten und Ladenhüter aus den Regalen werfen müssen. Gesucht werden Produzenten, die in großen Mengen, möglichst preiswert und verlässlich liefern. Dass große Hersteller wie Danone, Unilever und Verwandte gegenüber den noch stark mittelständischen deutschen Lebensmittelherstellern im Vorteil sind überrascht nicht.

Dies war alles lange abzusehen. Viel zu spät haben Landwirte und Industrie begonnen, sich zu größeren Einheiten zusammenzuschließen oder in speziellen Nischen ihre Position zu sichern. Sie hingen der Illusion nach, dass sich Qualität schon von allein verkaufen werde. Wunschträumen hilft da nicht weiter; ein Schlaraffenland gibt es nicht.

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