Schlechte Quartalszahlen : Deutsche-Bank-Gewinn bricht massiv ein

Die Deutsche Bank hat im dritten Quartal unterm Strich nur noch 51 Millionen Euro verdient - das entspricht einem Rückgang um 94 Prozent zum Vorjahr. Dafür sind nicht nur juristische Altlasten verantwortlich: Das Kerngeschäft läuft nicht.

Die Gewinne der Deutschen Bank sind massiv eingebrochen.
Die Gewinne der Deutschen Bank sind massiv eingebrochen.Foto: dpa

Milliardenschwere Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten haben den Gewinn der Deutschen Bank im dritten Quartal fast komplett aufgezehrt. Auch das schwache Geschäft im Investmentbanking trug dazu bei, dass der Vorsteuergewinn auf 18 Millionen Euro schrumpfte. Zum Vorjahr war das ein Rückgang um 98 Prozent - deutlich stärker als von Analysten erwartet. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 51 (Vorjahr: 754) Millionen, wie der Branchenprimus am Dienstag mitteilte. An der Börse herrschte Ernüchterung: Vorbörslich notierte die Aktie vier Prozent im Minus.

Für Rechtsstreitigkeiten legte die Deutsche Bank abermals 1,2 Milliarden Euro zur Seite, den Großteil davon für Altlasten im US-Hypothekengeschäft. Damit summiert sich die gesamte Vorsorge inzwischen auf über vier Milliarden Euro, was Deutschlands größtes Geldhaus bei seinem Umbau belastet, wie die beiden Co-Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen einräumten: “Wir kommen Schritt für Schritt auf unserem auf drei Jahre angelegten Weg voran, eine hervorragende Plattform für die Deutsche Bank zu bauen“, erklärten sie. “Dabei standen wir Herausforderungen gegenüber und werden auch in den kommenden Quartalen weitere Herausforderungen zu bewältigen haben.“ Entwarnung signalisiert das Führungsduo also noch nicht.

Zahlreiche Rechtsstreitigkeiten

Die Aufarbeitung der Finanzkrise hält die Deutsche Bank schon länger in Atem. Die Vorwürfe reichen von fragwürdigen US-Hypothekengeschäften über Zinsmanipulationen bis hin zu angeblichen Bilanztricksereien. Zuletzt hatte ein milliardenschwerer Hypothekenvergleich der US-Großbank JP Morgan für Aufsehen gesorgt. Außerdem zeichnen sich in der Branche weitere teure Vergleiche im Libor-Zinsskandal ab.

Offenbar mit Blick auf all diese Entwicklungen schraubte die Deutsche Bank ihre Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten nun abermals hoch. Zum Thema Libor erklärte der Vorstand im Zwischenbericht: “Die laufenden Untersuchungen könnten die Verhängung hoher Geldstrafen und andere Auswirkungen für die Bank nach sich ziehen.“

Das Kerngeschäft läuft nicht

Aber auch das Kerngeschäft machte dem Geldhaus in den Sommermonaten Sorgen. Im Investmentbanking sank der Vorsteuergewinn auf 345 Millionen Euro von 1,1 Milliarden vor einem Jahr. Allein im Handel mit Anleihen und anderen festverzinslichen Produkten, der wichtigsten Domäne der Deutschen Bank, brachen die Erträge im Vergleich zum Vorjahr um 48 Prozent ein. Dieser Trend hatte sich schon bei den Wall-Street-Banken und der Schweizer Credit Suisse abgezeichnet. Hintergrund ist die Unsicherheit über den weiteren Kurs der US-Notenbank Fed: So lange nicht klar ist, wie lange sie sich noch als großer Bondkäufer auf dem Markt betätigt, bleiben auch andere Investoren lieber in Deckung.

Voran kommt die Deutsche Bank auf ihrer größten Baustelle, der Vermögensverwaltung. Hier kletterte das Vorsteuerergebnis trotz milliardenschwerer Nettomittelabflüsse auf 283 (113) Millionen Euro, weil sich mehr und mehr die Erfolge des Sparprogramms zeigen. Im Privatkundengeschäft half zwar die sinkende Risikovorsorge im Kreditgeschäft, doch belasteten hier die anhaltenden Niedrigzinsen die Geschäfte. Der Vorsteuergewinn schrumpfte auf 347 (404) Millionen Euro.

Der heftige Gewinneinbruch belastet auch die wichtigen Kapitalpuffer bei der Deutschen Bank. Ende September lag die sogenannte harte Kernkapitalquote bei 9,7 Prozent. Das waren 0,3 Prozentpunkte weniger als drei Monate zuvor. Damit erfüllt die Bank aber weiter die erst ab 2019 voll gütigen verschärften Regeln („Basel III“). In dem geplanten Bilanzcheck der Europäischen Zentralbank müssen die Kreditinstitute auf eine Quote von 8 Prozent kommen. Der Wert misst das Verhältnis des Eigenkapitals zu den Risikopositionen in der Bilanz. (dpa/Reuters)

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