Wirtschaft : Schlechte Vorbilder

Herr Braun[in der Metallindustrie kommen offenbar]

Georg L. Braun ist Präsident des deutschen Industrie- und Handelskammertages.

Herr Braun, in der Metallindustrie kommen offenbar die Tarifgespräche wieder in Schwung. Was empfehlen Sie den Verhandlungspartnern?

Zu einer Lösung zu kommen, die nicht die Tabuisierung bislang getroffenener Aussagen beinhaltet. Die eine Seite darf also nicht auf mindestens vier Prozent und die andere nicht auf maximal 3,3 Prozent beharren. Ein fairer Kompromiss muss dazwischen liegen.

Dazwischen - das wären 3,65 Prozent mehr Lohn. Können das die Firmen verkraften?

Meiner Meinung nach ist das zu viel. Aber 3,3 Prozent waren schon angeboten worden, und jetzt haben wir einen Arbeitskampf. Es wird also keinen Abschluss unter drei Prozent geben.

War es ein Fehler, 3,3 Prozent anzubieten?

Das zeigt nur, wie wichtig es für die Arbeitgeber war, es nicht zu einem Streik kommen zu lassen. Der nun wahrscheinlich noch höher liegende Abschluss trägt weiter zur konstanten Verteuerung der Arbeitskosten bei. Deshalb ist eine einmalige Abschlagszahlung, die auch Kaufkraft in die Hand des Arbeitnehmers bringt, besser als die ständige Sockelerhöhung in den Lohngruppen. Da spielen dann über Jahre die Lohnerhöhungen, die um nur einige Zehntelpunkte zu hoch waren, auch eine große Rolle. Ergebnis: Es wird noch mehr rationalisiert.

Haben Sie kein Verständnis für die Argumentation der Arbeitnehmer, die nach der Zurückhaltung in den letzten Jahren nun deutlich mehr Geld wollen?

Wer will nicht mehr Geld haben? Da sind ja auch oft von den Managern nicht die besten Beispiele gesetzt worden. Die Führungselite unseres Landes muss aber in den Einschränkungen, die wir von anderen verlangen, vorausgehen. Und wenn wir das nicht tun, dann wird es nicht verstanden. Warum soll ich mich zurückhalten, wenn ich sehe, wie sich manche die Taschen vollpacken? Grundsätzlich befürworte ich gewinnabhängige Gehaltsbestandteile, wie es sie jetzt in der Chemie mit einem Weihnachtsgeld zwischen 80 und 120 Prozent gibt.

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