Schlechter Umgang in Berliner Wirtschaftspolitik : Unternehmer maulen über Wirtschaftssenatorin Yzer

Die Wirtschaft verfolgt mit Entsetzen, wie die Berliner Politik mit Managern landeseigener Unternehmen umspringt. Welche Strategie hat die Wirtschaftssenatorin.

von
Kumpane. Stephan Schwarz, Klaus Wowereit, Eric Schweitzer und Jan Eder kommen bestens miteinander aus.
Kumpane. Stephan Schwarz, Klaus Wowereit, Eric Schweitzer und Jan Eder kommen bestens miteinander aus.Foto: Amin Akhtar/laif

Eine Woche nach dem Rausschmiss rumort es noch immer in der Berliner Wirtschaft. Natürlich nicht offiziell und öffentlich – es ist ja auch nicht absehbar, wie lange man noch mit dieser Wirtschaftssenatorin kooperieren muss. Aber die Sorge treibt manche um, der Umgang mit Führungskräften landeseigener Unternehmen und Institutionen durch die Politik könnte nachhaltig Schaden anrichten für das Image des Wirtschaftsstandorts – und den Ruf der Berliner Politik.

Cornelia Yzer (CDU) hatte vergangene Woche in ihrer Funktion als Verwaltungsratsvorsitzende der Investitionsbank Berlin (IBB) die sofortige Abberufung des IBB-Vorstandschefs Ulrich Kissing durchgesetzt, weil der, wie schon sein Vorgänger, keine Sozialbeiträge gezahlt hat. Um die Sozialversicherungspflicht zu klären, hatte Kissing eine Statusklage vor dem Sozialgericht angestrengt und die Bank – nach Angaben Kissings – Rückstellungen für eine mögliche Beitragspflicht gebildet. Weil er den Verwaltungsrat nicht informierte, habe er seine Pflicht verletzt und Vertrauen zerstört, begründete Yzer die fristlose Kündigung. Ob die vor dem Arbeitsgericht Bestand hat, ist zweifelhaft. Der gefeuerte Banker hat gute Chancen, zumindest einen Teil des erst kürzlich bis 2017 verlängerten und pro Jahr mit gut 500 000 Euro dotierten Vertrags ausbezahlt zu bekommen.

"So geht man nicht mit Führungskräften um"

Der mögliche materielle Schaden ist indes nur ein Nebenaspekt. „So geht kein Eigentümer mit seinen Führungskräften um“, mault ein Berliner Unternehmer über den Stil der Senatorin, die nicht nur aus nichtigem Anlass einen bewährten Banker abgeschossen habe, sondern sich auch mit der erfolgreichen Führung der landeseigenen Messegesellschaft anlege und dabei eine bewährte Regel missachte. „Ich kümmere mich um die, die es nicht können, und nicht um die, die es können.“ Yzer sucht einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden für die Messe, weil der jetzige, Hans-Joachim Kamp, gegen ihren Willen Christian Göke als Messegeschäftsführer durchsetzte. Yzer hat dem Philips-Manager Kamp das Misstrauen ausgesprochen – aber findet sie jemanden, der gegen Kamp antritt? Bei der Aufsichtsratssitzung am 7. Juli kommt es zum Showdown.

Das ganze Theater drückt jetzt schon auf die Stimmung in der Messegesellschaft. Klaus Wowereit, der Kamp und Göke durchaus schätzt, schaut sich das alles mit zunehmendem Interesse an. „Das tut Berlin nicht gut“, ist in vielen Ecken der Wirtschaft zu hören. Professionalität und Souveränität sowie anständige Umgangsformen werden vermisst.

Yzer hatte beispielsweise gemeinsam mit einem Anwalt Kissing zum Gespräch gebeten. „So geht man nicht mit einem Vorstandsvorsitzenden um“, sagt jemand, der selbst in diversen Funktionen Führungs- und Aufsichtsaufgaben hat. Das mache man unter vier Augen. „Und welcher Spitzenmanager kommt denn noch in ein landeseigenes Berliner Unternehmen? Das tut sich keiner mehr an.“

Seite 1 von 2Artikel auf einer Seite lesen

11 Kommentare

Neuester Kommentar