Schlummerndes Risiko : Deutsche Banken sitzen auf Berg fauler Papiere

Es droht eine zweite große Abschreibungswelle: Deutsche Banken sollen noch „toxische Wertpapiere“ in Höhe von 300 Milliarden Euro horten - erst ein Viertel der Anlagen ist offiziell verbucht.

Berlin - Den deutschen Banken droht in der Finanzkrise eine zweite große Abschreibungswelle. Der „Spiegel“ berichtete unter Berufung auf eine Umfrage von Bundesbank und Finanzaufsicht Bafin unter 20 großen Banken, dass diese „toxische Wertpapiere“ im Volumen von knapp 300 Milliarden Euro in ihren Büchern hätten. Davon sei erst rund ein Viertel abgeschrieben worden. Das Finanzministerium gehe sogar davon aus, dass der gesamte deutsche Bankensektor Risikopapiere mit einer Summe von bis zu einer Billion Euro in den Büchern führe.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) will den Instituten aber nicht mit einer staatlichen „bad bank“ (schlechte Bank) aus der Patsche helfen. Eine solche Bank müsste nach Angaben von Steinbrück mindestens mit Steuergeldern von 150 oder 200 Milliarden Euro ausgestattet sein. „Wie soll ich mit einem solchen Vorschlag vor den Deutschen Bundestag treten? Das Publikum würde uns für verrückt erklären“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Eine „bad bank“, die faule Wertpapiere aufkaufen würde, könne er sich deshalb „ökonomisch und vor allem politisch nicht vorstellen“. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und andere Branchenvertreter werben seit Monaten für diese Idee. Das würde den Instituten die Möglichkeit bieten, ihre Bilanzen auf elegante Weise zu säubern, ohne direkte Hilfe in Anspruch zu nehmen. Der staatlichen Bank bliebe die Hoffnung, dass die Papiere am Ende der Krise wieder an Wert gewinnen.

Steinbrück sagte auf die Frage, ob der im Herbst aufgelegte Banken-Rettungsschirm wegen der düsteren Zahlen der Institute im vierten Quartal 2008 noch ausreiche: „Keiner kann das heute sagen.“ Bei den Bürgschaften seien 100 von 400 Milliarden Euro abgerufen und bei den Eigenkapitalhilfen 18 von 80 Milliarden Euro. „Es gibt also noch Spielraum.“ Allein für die Teilverstaatlichung der Commerzbank werden 18,2 Milliarden Euro ausgegeben. Dafür übernimmt der Staat 25 Prozent plus eine Aktie.

Großbaustelle bleibt die Rettung des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE), der immer mehr Geld braucht. Bereits in dieser Woche könnte die Entscheidung fallen, ob der Staat sogar die Mehrheit an dem Münchner Unternehmen übernimmt. Dafür müsste das Gesetz für den Banken-Rettungsfonds Soffin geändert werden, das einen Einstieg auf maximal 33 Prozent begrenzt. Die HRE hat bereits Staatsgarantien von 30 Milliarden Euro erhalten.

In Großbritannien verläuft die Diskussion derzeit ähnlich wie in Deutschland, ist aber noch einen Schritt weiter. Auch dort erwägt man die Einrichtung eines Rettungsschirms und einer „bad bank“. Diese könnte Papiere im Wert von bis zu 200 Milliarden Pfund (220 Milliarden Euro) übernehmen, wie britische Medien aus Kreisen berichten. Die Londoner Regierung arbeite an einem neuen Rettungspaket in Milliardenhöhe für die heimische Branche. Es gehe um neue Garantien für Leihgeschäfte, um den Interbankenhandel anzuregen. Regierung und Finanzbehörden wollten das Paket demnächst vorstellen, hieß es am Samstag.

Premierminister Gordon Brown forderte die Banken auf, reinen Wein über das Ausmaß ihrer faulen Kredite einzuschenken. Zugleich warnte er in der „Financial Times“ vor einer finanzpolitischen Isolation, bei der sich die Banken auf ihre Heimatmärkte zurückziehen.

Die Deutsche Bank hat unterdessen den sogenannten Eigenhandel zusammengestrichen. Der Handel auf eigene Rechnung mit Kreditpapieren werde komplett eingestellt, sagte ein Sprecher. Der Eigenhandel mit Aktien solle um 80 Prozent reduziert werden. dpa/kph

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