Schmiergeldaffäre : Siemens stellt Ex-Managern Ultimatum

Auf den früheren Siemens-Chef Pierer kommt eine Milliardenklage zu. Siemens hat angedroht, sechs weitere Manager vor Gericht zu bringen und setzte ihnen eine Frist.

Siemens hat früheren Vorständen um Ex-Konzernchef Heinrich von Pierer ein Ultimatum für die Schadenersatzforderungen gestellt. Bis Mitte November sollten sich sieben ehemalige Vorstandsmitglieder zu einem Vergleich bereit erklären, teilte Siemens am Mittwoch nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Andernfalls drohte das Unternehmen mit Klagen.

Schon am Morgen war bekannt geworden, dass auf den ehemaligen Vorstandschef Pierer wegen der Schmiergeldaffäre eine Schadenersatzklage in Milliardenhöhe zukommen könnte  – falls dieser die bislang von ihm geforderten sechs Millionen Euro nicht freiwillig in den kommenden Wochen zahlt. Pierer müsste dann mit seinem gesamten Vermögen haften, zitierte die Süddeutsche Zeitung Kreise aus Konzernzentrale und Aufsichtsrat. Der gesamte Schaden aus dem Korruptionsskandal beläuft sich auf zwei bis drei Milliarden Euro, die Pierer bei einer Verurteilung zu zahlen hätte.

Betroffen sind neben Pierer und dem ehemaligen Vorstandschef Klaus Kleinfeld auch die früheren Vorstände Johannes Feldmayer, Thomas Ganswindt, Heinz-Joachim Neubürger, Jürgen Radomski und Uriel Sharef.

Eine solche Milliardenklage gegen ehemalige Topmanager wäre bisher ohne Beispiel in Deutschland. Im Gegensatz zu den USA, wo führende Wirtschaftsmanager häufig aufgrund ihrer Verfehlungen auf riesige Summen verklagt werden, müssen deutsche Manager nur niedrige Millionenbeträge zahlen – wenn überhaupt.

Siemens wirft dem langjährigen Vorstands- und späteren Aufsichtsratschef Pierer und seinen Vorstandskollegen vor, während ihrer Amtszeit die Geschäfte des Unternehmens nicht genau genug kontrolliert zu haben. Dadurch seien die weltweiten Schmiergeldzahlungen zahlreicher Konzernsparten für lukrative Aufträge möglich geworden.

Der Konzern verlangt von insgesamt elf Ex-Vorständen symbolische Schadenersatzzahlungen. Nur drei von ihnen haben sich bislang dazu bereit erklärt. Klaus Wucherer, Rudi Lamprecht und Edward G. Krubasik haben dem Unternehmen einen juristischen Vergleich angeboten.

Der größte Korruptionsskandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte war mit einer Großrazzia im November 2006 ins Rollen gekommen. Seine Aufarbeitung hat den Konzern bereits Milliarden gekostet. So musste Siemens alleine nach Einigung mit der US-Börsenaufsicht SEC und der Staatsanwaltschaft München Ende vergangenen Jahres rund eine Milliarde Euro an Geldbußen zahlen. Hinzu kamen weitere Strafen, Beraterkosten und Gewinnabschöpfung sowie Steuernachzahlungen.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa

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