Wirtschaft : Schnäppchen geträumt

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Die Damenwäsche liegt neben den italienischen Delikatessen, die Blumenvase findet sich neben dem Nagellack. In den Schaufenstern prangen große rote "%"-Zeichen.

Die Läden der Handelskette Strauss Innovation wirken wie Kaufhäuser mit Platzmangel im Schlussverkauf. Das ist Methode: "Die Leute sollen spontan kaufen", erläutert Andreas Gerecke, Geschäftsführer von Strauss Berlin. "Dafür bieten wir ein sich ständig änderndes und preiswertes Sortiment." Eines, das gut ankommt, wie es scheint: Die Zahl der Filialen hat sich seit 1989, als die Expansionsphase des Unternehmens begann, fast versechsfacht - von 14 auf derzeit 79. Die 100er-Grenze soll in zwei Jahren geknackt werden.

Ein Einkaufsparadies für trendbewusste Schnäppchenjägern also? Bis Mitte der 90er Jahre machte Strauss insbesondere dadurch von sich reden, dass Produktionsüberhänge oder Restposten berühmter Designer wie Joop oder Rene Lezard zu einem Bruchteil des Preises verkauft wurden. Das Geschäft lebte von solchen Aktionen. Die sind heute selten geworden. Die Expansion des Langenfelder Unternehmens brachte neue Probleme mit sich. Es wurde schwierig, ausreichend große Posten aufzutreiben, um die steigende Zahl der Filialen zu bestücken. Außerdem ahmten andere Händler das Konzept nach. In dieser Phase übernahm Peter Geringhoff das Ruder. Er setzte auf Eigenmarken, die an die Stelle der Kollektionen fremder Designer traten. Heute besteht das Sortiment fast ausschließlich aus eigens für Strauss hergestellten Waren.

Eines hat sich allerdings nicht geändert: Strauss setzt noch immer auf das Schnäppchenfieber. Dazu bedient sich das Unternehmen eines nicht sehr feinen Tricks: Auf vielen Etiketten steht über dem Preis eine unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers, die wesentlich höher liegt. Dadurch wird dem Kunden suggeriert, beim Kauf ein Schnäppchen zu machen. Im Unterschied zu früher handelt es sich bei den Artikeln aber nicht um günstig aufgetriebene Restposten, sondern um eigens für Strauss hergestellte Waren. Tatsächlich handelt es sich also bei vielen Schnäppchen um eine Täuschung des Kunden.

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