Wirtschaft : Schraubendreher mit Kultur

Der Unternehmer und Mäzen Reinhold Würth stiftet am Montag wieder einen Preis – seiner Firma schadet das nicht

Frederik Hanssen

Wer was wird, wird Würth! Wenn die eigene Firma in diesem Jahr mit mehr als 41 000 Mitarbeitern in 80 Ländern ein Betriebsergebnis von über 300 Millionen Euro vor Steuern einfahren wird – und damit einen neuen Rekordgewinn – darf man sich schon mal auf die Schulter klopfen. Als der 14-jährige Reinhold Würth 1949 in die Firma seines Vaters eintrat, beschäftigte die Schraubengroßhandlung in Künzelsau gerade einmal zwei Mitarbeiter - Würth junior eingeschlossen.

Dass aus dem schwäbischen Familienbetrieb in kürzester Zeit ein Weltkonzern wurde, hat der Inhaber vor allem sich selbst zu verdanken. Denn dass die Würth-Gruppe heute in der Öffentlichkeit so einen guten Ruf genießt, liegt auch daran, dass sich Reinhold Würth für Bildende Kunst und Musik interessiert: Seine private Gemäldesammlung, die er in den Sechzigerjahren startete und die mittlerweile 6500 Werke umfasst, präsentiert Reinhold Würth seit 1991 in einem kostenlosen Museum auf dem Künzelsauer Firmengelände. Im vorletzten Jahr kam noch eine Kunsthalle im benachbarten Schwäbisch Hall hinzu. Neben zwei Literatur- und einem Kunstpreis stiftet der mäzenatisch veranlagte Manager jährlich auch 5000 Euro für den Würth-Preis der „Jeunesses Musicales Deutschland“. Dieser Preis wird am Montag in Berlin verliehen. Mit ihm werden Persönlichkeiten geehrt, die sich besonders in der Nachwuchsförderung engagieren. 2001 war das beispielsweise der Dirigent Claudio Abbado, diesmal geht die Auszeichnung an den Herausgeber der „Neuen Musikzeitung“, Theo Geißler. Dass er zur Preisverleihung in der Berliner Repräsentanz auf Schwanenwerder im Privatflugzeug anreist, ist für Würth Ehrensache.

Auch die Hauptstadt hat schon von der Würth-Gruppe profitiert: Das „Young Euro Classic“-Jugendorchestertreffen im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, das keinerlei Subventionen vom Senat erhält, durfte Würth in diesem August zu seinen Hauptsponsoren zählen. Offiziell hat sich Würth seit 1994 aus der operativen Geschäftsführung zurückgezogen. Als Vorsitzender des Unternehmensbeirats hat er also auch in Fragen von Sponsoring nur noch beratende Funktion. Trotzdem ist er, gerade in Zeiten leerer Kassen, Anlaufstelle Nummer eins für Kulturschaffende auf der Suche nach Drittmitteln: „Ich werde zugebaggert mit Unterstützungswünschen“, erzählt er lachend im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Da fehlt bloß noch ein Fingerhutmuseum in Katmandu, dass sich an uns wendet.“

Es gibt Spitzenmanager, die Kultursponsoring betreiben, um sich im Glanz der Stars sonnen zu können. Zu dieser Gruppe gehört Reinhold Würth nicht. Wenn er auf den Festivals zwischen Bayreuth und Salzburg unterwegs ist, sucht er die medienwirksame Nähe zu berühmten Künstlern kaum. Ebenso wenig, wie er andere Unternehmer zum Mäzenatentum bekehrt.

Das müsse jeder selbst entscheiden: „Oft werde ich gefragt, ob es sich denn nun lohne, Kunst zu sponsern statt das Geld in Investitionen zu stecken. Henry Ford hat gesagt: Wenn ich einen Dollar für Werbung ausgebe, weiß ich, dass ich 50 Cent zum Fenster hinausschmeiße. Aber ich weiß nicht, welche Hälfte. Die Würth-Gruppe ist in den letzten 35 Jahren dem Wettbewerb so weit davongerannt, dass die Kulturaktivitäten insgesamt mindestens nicht geschadet haben können.“

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