Wirtschaft : Schrempp braucht mehr Zeit

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Von Alfons Frese

Jürgen Schrempp wird seinen Vertrag verlängern müssen, wenn er sein Ziel erreichen und aus DaimlerChrysler den erfolgreichsten Autohersteller der Welt machen will. Eigentlich sollte das bis 2005 geschafft sein, und der Vorstandsvorsitzende hätte sich dann auf seine südafrikanische Farm zurückziehen können. Das wird nichts. Die Sanierung von Chrysler und Mitsubishi dauert länger als erwartet, und auch bei der Geldmaschine Mercedes-Benz beginnt es, etwas zu knirschen. Besonders bitter ist die Lage bei Chrysler, und Schrempp muss inzwischen wieder Fragen beantworten, ob die „Fusion im Himmel“ (O-Ton Schrempp) vor fünf Jahren nicht doch ein Fehler war.

Im September hat Chrysler 15 Prozent weniger Autos verkauft als vor einem Jahr. Die Abwärtstendenz beschleunigt sich, seit Jahresbeginn setzte das Unternehmen sechs Prozent weniger Autos ab. Chrysler-Chef Dieter Zetsche sieht sich derweil im „Dschungel“, in dem die großen drei US-Konzerne verbissen um Marktanteile kämpfen. Mit den teuren Verkaufsrabatten haben sie sich den Markt selbst kaputt gemacht und müssen nun dafür bezahlen. Bei Chrysler sieht das so aus, dass in den nächsten vier Jahren neun Fabriken verkauft oder geschlossen werden, 17700 Chrysler-Jobs verschwinden, 5000 ältere Facharbeiter werden mit Abfindung in den Ruhestand geschickt. Ob das reicht? In den letzten Jahren hat Chrysler bereits fünf Fabriken geschlossen und 26000 Stellen gestrichen. Das hat nicht gereicht. Noch immer arbeiten die japanischen Hersteller viel produktiver: Ein Toyota wird in den USA in 21 Stunden montiert, ein Nissan nur in 16 Stunden, für einen Chrysler sind 28 Stunden fällig. Doch das allein ist es nicht. Es fehlen die guten Produkte. Die Pkw von Chrysler taugen nicht viel, und die Erneuerung der Modellpalette dauert lange. Zetsche hat für die nächsten Jahre 25 neue Modelle angekündigt. Wenn zumindest die Hälfte davon einschlägt, kommt Schrempp seinem Ziel näher. Aber frühestens 2006.

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