Wirtschaft : Schuldenerlass für die Ärmsten der Welt Diktatoren helfen?

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Die reichsten Länder der Welt verkündeten kürzlich stolz eine gemeinsame Initiative zum Schuldenerlass für die Ärmsten der Welt. Die USRegierung und der britische Premierminister Tony Blair stellten auch ein internationales Soforthilfe-Paket in Aussicht, das allerdings an den Aufbau demokratischer Strukturen und die Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien in den jeweiligen Ländern geknüpft werden soll.

Diese Einschränkung ist wahrlich gerechtfertigt. So wütet etwa in Simbabwe, einem der ärmsten Länder Afrikas, derzeit eine brutale Welle der Vertreibung, die an die Roten Khmer erinnert. Hunderttausende Bewohner, vor allem aus den Armenvierteln der Hauptstadt Harare, werden auf Anweisung des Diktators Robert Mugabe aus ihren Häusern gejagt. Dabei wenden die Ordnungskräfte exzessive Gewalt an, Behausungen werden niedergebrannt, Menschen misshandelt. Laut Uno wurden in weniger als vier Wochen mindestens 200000 Menschen vertrieben. Anderen Schätzungen zufolge liegt die Zahl nahe an einer Million. Allein in der Nacht vom 26. Mai verloren in einer Gemeinde im Norden von Harare mehr als 10000 Menschen ihr Zuhause und leben nun zusammengepfercht in Internierungslagern außerhalb der Stadt.

Bereits Mugabes Vertreibung und Enteignung weißer Farmer brachte das einst blühende Land an den Rand einer Hungersnot. Seine jüngste sozialpolitische Maßnahme nennt er „Operation Murambatsvina“ – zu deutsch „Müllentsorgung“. Und es sind nicht nur Bewohner, die verscheucht werden: Auch Straßenhändler werden verbannt, und das, obwohl die meisten Simbabwer ohne Arbeit sind. Allerdings geht es Mugabe nicht wirklich darum, urbane Schandflecken zu bereinigen. Nach den Standards, die in den Staaten südlich der Sahara herrschen, waren viele der betroffenen Behausungen mehr als adäquat. Das Vergehen der von Mugabe verjagten Menschen bestand vielmehr darin, dass sie in Gegenden lebten, in denen sich zunehmend Widerstand gegen Mugabe und seine Zanu-Partei formiert. Und das will der Mann, der seit 25 Jahren die Misswirtschaft Simbabwes zu verantworten hat, nicht akzeptieren.

All dies soll nicht leugnen, dass ein Schuldenerlass für viele der ärmsten Regierungen Afrikas angebracht ist. Die meisten dieser Länder zahlen ohnehin keine Zinsen mehr auf ihre Darlehen. Insofern erkennt eine Schuldenerleichterung die Realität an – und bietet allen die Möglichkeit, ehrlicher voranzuschreiten. Doch wenn U2-Frontmann Bono und andere Prominente Afrika wirklich helfen wollen, dann werden sie mehr tun müssen, als an das schlechte Gewissen der westlichen Länder zu appellieren. Dann werden sie offen über die Fehler der Regierungen in den armen Ländern sprechen müssen – insbesondere in Staaten wie Simbabwe, wo klar zu belegen ist, dass es Diktatoren wie Mugabe sind, die für die schlimmen Verhältnisse verantwortlich sind.

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