Wirtschaft : Schwache Nachfrage zwingt Infineon zum Sparen

Halbleiterkonzern muss Kosten um zusätzlich 200 Millionen Euro senken/Pessimistischer Ausblick

Henrik Mortsiefer

Berlin - Die schwache Nachfrage und der Preiskampf auf dem Halbleitermarkt zwingen den deutschen Chipkonzern Infineon zu weiteren Kosteneinsparungen. Zusätzlich zu den ohnehin geplanten Einschnitten will das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr seine Fixkosten um weitere 200 Millionen Euro senken. Vor einem Umbau steht das Geschäft mit Glasfaserkomponenten. Nachdem der Verkauf des Bereichs geplatzt ist, wird es hier zum Abbau von Arbeitsplätzen und im schlimmsten Fall auch zu Werkschließungen kommen. Betroffen wäre auch der Standort Berlin, wo 280 Mitarbeiter in diesem Geschäftszweig tätig sind.

„Wir sehen eine anhaltende Abschwächung der Nachfrage im weltweiten Halbleitermarkt“, sagte Vorstandschef Wolfgang Ziebart am Montag. Umsatz und Ergebnis würden im zweiten Quartal erneut sinken – und zwar stärker als saisonal üblich. Obwohl Infineon die Märkte vor zwei Wochen bereits mit einer Umsatz- und Gewinnwarnung vorbereitet hatte, gab die Aktie erneut nach, teilweise um 2,8 Prozent auf 6,98 Euro, bei Börsenschluss lag der Wert jedoch wieder bei sieben Euro. Unter sieben Euro hatten die Papiere zuletzt im Mai 2003 notiert. Auch Ziebarts Prognose, Infineon werde trotz der schwierigen Marktlage das Jahr 2004/05 mit einem operativen Gewinn abschließen, half dem Kurs nicht.

Nähere Angaben darüber, wie die Glasfasersparte mit weltweit 1200 Beschäftigten saniert werden soll, will Infineon-Chef Ziebart an diesem Dienstag auf der Hauptversammlung in München machen. Am Standort Berlin sollen die Mitarbeiter nach Angaben des Betriebsrats auf einer Belegschaftsversammlung informiert werden. Ziebart hatte das Spandauer Werk in der vergangenen Woche besucht. „Konkrete Aussagen, wie es mit dem Standort weiter geht, ist er uns aber schuldig geblieben“, sagte ein Betriebsrat dem Tagesspiegel. Man rechne aber mit betriebsbedingten Kündigungen. Das Berliner Werk hat vergleichsweise gute Überlebenschancen, denn hier ist vor allem die Entwicklung konzentriert. Von den 280 Beschäftigten sind nur rund 80 in der Fertigung beschäftigt. Im tschechischen Trutnov sind hingegen 800 Mitarbeiter in der Produktion tätig.

Im gesamten Infineon-Konzern sei nach derzeitiger Lage eine Ausweitung des Sparpakets nicht vorgesehen, sagte Ziebart am Montag. Ein „signifikanter Stellenabbau“ oder die Schließung von Werken seien ebenfalls noch nicht geplant. Allerdings könne nichts grundsätzlich ausgeschlossen werden, schränkte der Vorstandschef ein. Infineons strategische Ausrichtung sei aber „im Wesentlichen in Ordnung“.

Zum Auftakt des Geschäftsjahrs, das am 1. Oktober begonnen hat, brach der Umsatz im Vergleich zum Vorquartal um neun Prozent auf 1,82 Milliarden Euro ein. Auch wegen des schwachen Dollars, der netto ein Minus von 30 Millionen Euro verursachte, lag der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) bei 211 (Vorquartal: 113) Millionen Euro – darin enthalten sind allerdings einmalige Lizenzeinnahmen des taiwanesischen Herstellers Promos von 118 Millionen Euro.

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