Schwacher Dollar : Schnäppchen-Flug in die USA

Deutsche profitieren vom schwachen Dollar – nicht nur bei transatlantischen Ausflügen.

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Im futuristischen Apple-Store an der Fifth Avenue in New York war der Neuling nach rund 24 Stunden ausverkauft. Der iPod Touch, ein Musik- und Medienspieler, der fast ausschließlich durch Berührungen auf dem Display gesteuert wird, war am Donnerstag vergangener Woche eingetroffen, schon am Freitagabend mussten Angestellte die Kunden vertrösten.

Vermutlich haben auch viele europäische Touristen in New York zugeschlagen. Für 299 Dollar war der Spieler in der kleinen Version zu haben, das sind nach aktuellem Umrechnungskurs rund 212 Euro. Vor einer Woche, als der Euro noch weniger als 1,40 Dollar kostet, waren es zwar ein paar Euro mehr, aber auch da war das Gerät schon ein Schnäppchen. Wenn er demnächst in Deutschland in die Läden kommt, soll der iPod Touch 299 Euro kosten.

Verbraucher in Deutschland können sich über den starken Euro freuen – vor allem wenn sie eine Reise in die USA oder in Länder wie die Karibik planen, wo entweder direkt in Dollar bezahlt wird oder die lokale Währung an den „Greenback“ gebunden ist. Mit der jüngsten Zinssenkung hat die amerikanische Notenbank dem Euro einen weiteren Schub gegeben. Heute kann sich kaum noch jemand vorstellen, dass der Euro vor fünf Jahren nur gut 80 US-Cent wert war und die Notenbanken eingreifen mussten, um die europäische Währung zu stützen. Damals war der Trip in die USA fast unerschwinglich.

Das hat sich radikal geändert – und wird wohl auch noch eine Weile so bleiben. Jörg Krämer, Chef-Volkswirt der Commerzbank erwartet einen weiteren Anstieg des Euro auf mindestens 1,42 Dollar, die US-Investmentbanken Lehman Brothers und Bear Stearns sehen die europäische Währung bis Mitte 2008 sogar auf 1,45 bis 1,50 Dollar steigen.

Die Lufthansa stockt ihr Flugangebot in USA bereits kontinuierlich auf und bietet mehr und mehr Direktflüge nicht nur von Frankfurt am Main, sondern auch von anderen Flughäfen wie etwa Düsseldorf an. „Wir weiten das Angebot aus und bekommen nahezu alle Maschinen voll“, sagt Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. „Die Flüge über den Nordatlantik sind praktisch ausverkauft“. Wer noch Tickets ergattert, kann sich in den US-Malls zu Preisen eindecken, die so günstig sind wie lange nicht mehr.

Auch hierzulande profitieren Verbraucher, wenn auch nur indirekt. Der starke Euro verhindert, dass Benzin und Diesel noch teurer werden als sie es aufgrund des hohen Ölpreises ohnehin sind. Denn Öl wird in Dollar abgerechnet. Auch die Einfuhr von tropischen Früchten etwa aus der Karibik dürfte sich zugunsten der Verbraucher verbilligen. Schließlich senkt der starke Euro auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Zentralbank weiter an der Zinsschraube dreht. Das hält die Kosten für Kredite in Grenzen. Rolf Obertreis

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