Wirtschaft : Seifenoper auf dem Handy

Berliner Firma erfindet mobile Dienste neu

Corinna Visser

Berlin - Eine Probefahrt mit einem neuen Mini gefällig? Ein Klick auf dem Handy genügt und schon ist die Testfahrt gebucht. „Seit BMW Werbung mit unserer Technologie für den Mini auf dem Handy schaltet, sind die Buchungszahlen um ein Vielfaches gestiegen“, sagt Thomas Fellger, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens Iconmobile, ein Dienstleister für die Mobilfunkbranche. Bisher gibt es die Werbung auf dem Telefon nur bei einem Netzbetreiber: O2. BMW wirbt dort bereits, genau wie Amazon, Ebay und O2 selbst. „Das Interesse der Unternehmen ist groß“, sagt Fellger. „Wir haben Anfragen, die reichen aus für das komplette Jahr 2006.“

Werbung jetzt auch noch auf dem Handy – da stöhnen viele Kunden, die schon vom Klingelton-Gedudel genervt sind. Die Leute von Iconmobile glauben dennoch an den Erfolg. „Wir haben eine Technologie entwickelt, die es erlaubt, die Werbung für den Kunden attraktiv zu machen“, sagt Fellger. „Der Kunde hat direkt etwas davon, wenn er die Werbung anklickt.“ Er kann zum Beispiel eine Testfahrt buchen, ein Video kostenlos herunterladen oder einen Coupon, um günstiger einkaufen zu können. „Die Werbung auf dem Handy muss immer einen Mehrwert haben“, sagt Fellger.

Iconmobile wurde im Jahr 2003 von fünf ehemaligen Mitarbeitern von Icon Medialab/ MetaDesign Network gegründet. Das Unternehmen entwickelt nicht nur die Technik für mobile Anwendungen, sondern liefert auch komplette Lösungen und betreibt sie auch. Iconmobile hat den japanischen I-Mode-Dienst – einer der ersten mobilen Multimediadienste – für den deutschen Markt aufbereitet. Kunden sind die Netzbetreiber wie O2, T-Mobile oder Vodafone, aber auch Internetfirmen wie Amazon, Yahoo oder Ebay und BMW.

100 Mitarbeiter – inklusive der Tochterfirmen – beschäftigt Iconmobile in Deutschland. „2005 hat die Gruppe etwa zehn Millionen Euro umgesetzt“, sagt Fellger. 2004 waren es drei Millionen Euro gewesen und in diesem Jahr soll der Umsatz auf 18 Millionen Euro wachsen. „Und das wollen wir allein schaffen“, sagt Fellger. Iconmobile ist stolz auf seine Unabhängigkeit, so könne das Unternehmen schneller und flexibler sein. „Bisher hatten wir noch keinen Euro Miese auf dem Konto“, sagt Fellger. Dennoch sei es Ziel, an die Börse zu gehen. Allerdings lieber in Großbritannien oder den USA. „Der Nachfolger des Neuen Marktes ist nicht das Umfeld, in dem wir uns profilieren können“, sagt der Geschäftsführer.

Bei Werbung auf dem Handy sieht Fellger großes Potenzial. „Für Unternehmen ist es heute selbstverständlich, einen Internetauftritt zu haben. Wir glauben, dass eine mobile Präsenz in Zukunft auch selbstverständlich sein wird.“ Insgesamt habe Werbung auf dem Handy ein viel größeres Potenzial als im Netz – immerhin haben viel mehr Menschen ein Mobiltelefon, als es Internetnutzer gibt. Hinzu kommt: „Das Handy weiß, wer ich bin, es weiß, wo ich bin, und ich habe es immer bei mir“, sagt Fellger. Das mache es möglich, Werbung künftig stärker zu personalisieren und auf auch auf den Aufenthaltsort des Nutzers anzupassen.

Längst arbeitet Iconmobile am nächsten Projekt: an einer interaktiven Seifenoper für das Handy. In Australien hat das Unternehmen im vergangenen Jahr für Vodafone bereits eine mobile Soap realisiert. Der Clou bei der deutschen Soap: Die Mobilfunkkunden können selbst mitwirken. Vorausgesetzt, Sie sind in der Nähe des Drehorts und haben ihr Handy auf Empfang.

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