Wirtschaft : Sektkellereien: Die Korken knallen wieder

Tobias Symanski

Nach dem Milleniums-Knall zum Jahreswechsel 1999/2000 machte sich bei den deutschen Sektkellereien die Ernüchterung breit. Die hoch geschraubten Erwartungen an das Jahrtausend-Geschäft konnten nicht erfüllt werden; das Plus im Einzelhandelsabsatz lag gerade mal bei drei Prozent. Wegen des starken Preisdrucks blieb wertmäßig jedoch wenig übrig. Marktführer Henkell & Söhnlein, der jede vierte Sektflasche in Deutschland verkauft, konnte sich knapp über dem Branchentrend behaupten. Mit einem Zuwachs von 3,8 Prozent im Geschäftsjahr 1999/2000 (31. März 2000) steigerte das Wiesbadener Unternehmen seinen Sektabsatz um 3,8 Prozent auf knapp 153 Millionen Flaschen. "Vergangenes Jahr haben alle gedacht, die Menschen feiern sich zu Tode und der Absatz wird gigantisch", sagt Walter Bischof, aus dem Hause Henkell & Söhnlein, zugleich Sprecher des Verbandes Deutscher Sektkellereien in Wiesbaden. Doch mehr als üblich passe in den Menschen nun mal nicht rein, meint Bischof. Der Mehreinkauf beziehungsweise die Lagerbestände nach dem vorangegangenen Jahreswechsel musste deshalb erst einmal abgebaut werden. Das bekam auch der Handel zu spüren und der reduzierte daraufhin die Bestellungen bei den Sektkellereien. Deswegen rechnet der Verband mit einem Minus, das den letztjährigen Zuwachs kompensieren wird.

Trotzdem zeigen sich die großen Sektproduzenten zum Jahreswechsel 2000/2001 wieder optimistischer. Denn Deutschland bleibt auch weiterhin das Land der Sektfreunde. Im Monat Dezember brummt der Verkauf von Schaumwein. Weil am Jahresende die großen Feste anstehen, fällt allein 40 Prozent des Sekt-Absatzes auf den letzten Monat des Jahres. 50 Millionen 0,75-Literflaschen Sekt werden an Silvester in Deutschland geleert.

Bei der Rotkäppchen Sektkellerei in Freyburg an der Unstrut verlassen in der Woche vor Weihnachten bis zu 600 000 Flaschen pro Tag das Lager. Die ostdeutsche Sektkellerei wird entgegen dem Branchentrend auch dieses Jahr das Ergebnis des Vorjahres in etwa halten können. Der nationale Marktanteil liegt derzeit bei 16,5 Prozent, ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit einem Marktanteil von mehr als 50 Prozent ist Rotkäppchen die Nummer eins in den neuen Bundesländern.

Um vom Image einer Billigmarke wegzukommen, plant das Unternehmen eine Preiserhöhung für Januar 2001 und eine Werbekampagne im Fernsehen und in Zeitungen. "Ein Preis von 5,55 Mark pro Flasche ist der Marke Rotkäppchen einfach abträglich", meint Gunter Heise, Geschäftsführer bei Rotkäppchen.

Auch Walter Bischof weiß, dass die Deutschen in der Festzeit gerne mal ein paar Mark mehr für ihren Sekt ausgeben. Besonders beliebt seien die Marken, die auch in der Fernseh- und Hörfunkwerbung auftreten. Die zwei Millionen Mark teure Werbekampagne mit Udo Jürgens "Aber bitte mit Deinhard" soll Henkell & Söhnlein noch ein gutes Dezembergeschäft bescheren und den schleppenden Absatz zu Anfang des Jahres wettmachen.

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