Wirtschaft : Selbstbewusst und mit guten Zahlen: "Bei den Filialen verdienen wir noch nicht gut genug"

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Die Commerzbank steht weder vor einer feindlichen noch vor einer freundlichen Übernahme. "Was mancher dichtet, hat mit der Wahrheit wenig zu tun. "Vieles amüsiert mich ungemein", sagte der Vorstandsvorsitzende des Instituts, Martin Kohlhaussen, am Mittwoch bei der Vorlage der Bilanzzahlen. Man prüfe dennoch die Möglichkeit von Kooperationen auf den verschiedenen Feldern, vor allem im Investmentbanking, in der Produktion und in der Abwicklung. An ihren derzeit rund 940 Filialen in Deutschland will die Commerzbank im Prinzip festhalten. "Aus dem Rückzug der Dresdner Bank und dem Wegfall eines Wettbewerbers ergeben sich für uns großartige Chancen."

Vor allem im Mittelstand will man deutlich zulegen. "Wir sehen nun die realistische Chance, dass die Commerzbank für Deutschlands Mittelstand die führende Bankadresse wird", sagte Kohlhaussen. Sein Haus überzeuge durch Produkte und Dienstleistungen. Mit Blick auf die Kosten sieht er sich durch die Fusion von Deutscher und Dresdner Bank allerdings auch unter Druck. Die geplanten Kosteneinsparungen durch den Zusammenschluss werfen nach Ansicht des Vorstandschefs auch bei der Commerzbank stärker als bisher die Frage auf, wo der Aufwand gedrückt werden kann. "Insofern gilt die Frage eines Technologieverbundes noch akzentuierter als zuvor." Andererseits setzt er auch darauf, dass sich mehr und mehr Kunden bei Standarddienstleistungen weg von der Filiale Richtung Internet bewegen. "Wir haben zwar im Geschäftsfeld Private Kunden und Immobilien 1999 mit einem Ergebnis von 122 Millionen Euro und mit 8,7 Prozent eine Eigenkapitalrendite erzielt, von der andere Banken nur träumen können, und wir verdienen bei den Filialen Geld. Aber wir verdienen nicht genug." Die "Wahlverwandtschaften" mit Banken und Versicherungen im Ausland - die Commerzbank hält diverse Überkreuzbeteiligungen in Italien, Spanien, Frankreich und in Österreich - will Kohlhaussen weiter ausbauen. Vor allem die Idee einer gemeinsamen europäischen Investmentbank will er verstärkt vorantreiben.

Insgesamt sei die Commerzbank in ihrer jetzigen Struktur mit einer Bilanzsumme von 370 Milliarden Euro, mit mehr als fünf Millionen Kunden weltweit und einem Börsenwert von derzeit etwa 22 Milliarden Euro nicht zu klein und alles andere als der Übernahmekandidat Nummer eins in Europa. Nachdem die Commerzbank den Gewinn vor Steuern 1999 um rund zehn Prozent auf 1,37 Milliarden Euro steigern konnte, ist auch das neue Geschäftsjahr gut angelaufen. Die Erträge seien im Januar und Februar unter anderem dank des anhaltenden Aktienbooms um zehn Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Euro gestiegen. Beim Provisionsüberschuss steht ein Plus von mehr als 50 Prozent, beim Eigenhandel hat die Bank nach zwei Monaten bereits ein Drittel des gesamten Jahresergebnisses 1999 erwirtschaftet. Der anteilige Vorsteuergewinn übertraf das Vorjahresergebnis um 40 Prozent.

Das letzte Quartal 1999 allerdings war eher enttäuschend verlaufen, vor allem weil das Ergebnis im Eigenhandel wegen Problemen bei der Bewertung von Zinsrisiken mit einem knappen zweistelligen Millionenbetrag ins Minus rutschte.

Für Belastungen sorgten 1999 auch die Probleme bei Holzmann und bei FlowTex. Dafür musste die Commerzbank insgesamt Rückstellungen von 200 Millionen Mark bilden. Der Aufwand war auch höher, weil die Zahl der Mitarbeiter erneut um rund 2300 auf jetzt knapp 34 900 gestiegen ist. Unter dem Strich blieb der Commerzbank bei einem Plus von 2,1 Prozent ein Jahresüberschuss von 911 Millionen Euro. Die Dividende steigt leicht von 0,76 auf 0,80 Euro.

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