Wirtschaft : Senator Film feiert Börsenpremiere

BERLIN (mot).Premiere an der Börse: Am 29.Januar wird mit der Berliner Senator Film AG erstmals eine deutsche Filmproduktionsfirma an den Neuen Markt der Frankfurter Börse gehen.Senator Film ("Comedian Harmonists", "Kleines Arschloch") will mit dem Börsengang das rasante Wachstum des Unternehmens und die Expansion auf dem europäischen Filmmarkt finanzieren.Der Neue Markt sei dafür das richtige Börsensegment."Dort haben wir die größte Aufmerksamkeit", sagt Vorstandschef Hanno Huth.1999 werde die Gesellschaft in den Geschäftsfeldern Produktion, Verleih und Lizenzhandel erstmals über 100 Mill.DM umsetzen.Der Jahresüberschuß soll bei einer Umsatzrendite von 15 Prozent vor Steuern von 0,7 auf 2,8 Mill.DM steigen.Eine Dividende will Senator Film bereits für das laufende Geshäftsjahr auszahlen.

Senator-Aktien seien aber keine "Zocker-Papiere", betont Huth.Mit dem zufließenden Kapital wolle das Unternehmen mehr Eigenproduktionen finanzieren und das Film-Merchandising ausbauen."Wir schaffen mit dem Börsengang Werte." Je mehr Filme selbst produziert würden, desto lukrativer und langfristiger könnten die Ausstrahlungs- und Verwertungs-Rechte auf eigene Rechnung vermarktet werden, so Huth."Unser Unternehmenswert wird dramatisch steigen, weil wir mehr Produzentenrechte haben." Im Film-Stock der mehrfach preisgekrönten Senator Film lagern derzeit 72 Lizenzfilme und 23 Eigen- bzw.Koproduktionen.Letztere haben eine sogenannte unbegrenzte "Restlaufzeit", können also im Prinzip unendlich oft vermarktet werden, vor allem im Verleih und im Verkauf von Videolizenzen.Senator Film zählt TV-Sender wie ARD und ZDF, Pro Sieben sowie Bertelsmann und die Kirch-Gruppe zu seinen Lizenznehmern.10 weitere unbegrenzte Filmrechte erwarb die Produktionsfirma durch ihre Mehrheitsbeteiligung (51 Prozent) an der Perathon Film- und Fernseh GmbH, Berlin, des Regisseurs und Produzenten Joseph Vilsmaier ("Stalingrad").

Insgesamt erzielte Senator Film 1997 nach eigenen Angaben mit 5,4 Mill.Kino-Besuchern einen Marktanteil von 25,4 Prozent im Segment "Deutscher Film".Zum Repertoire des 1979 als Senator Film Verleih GmbH gegeründeten Unternehmens gehören Kassenschlager wie "Werner - Das muß kesseln", der Huth zufolge über 50 Mill.DM an der Kinokasse eingespielt hat.Seit 1991 produzierte Senator Film 20 Streifen selbst, 30 Projekte befinden sich in der Vorbereitung."In Zukunft sollen pro Jahr etwa 10 Filme selbst produziert werden - davon zwei europäische Produktionen - 10 Filme wollen wir jährlich kaufen", kündigt Huth an.Noch in diesem Jahr will Senator-Film auf Einkaufstour gehen und eine europäische Produktionsfirma übernehmen.Großen Wert legt der Senator-Chef auf seine Selbständigkeit.Die Gesellschafterstruktur soll auch nach dem Börsengang erhalten bleiben, Huth und Aufsichtsratschef Michael Krohne bleiben Mehrheitsgesellschafter.

Nach der Festlegung der Bookbuilding-spanne am 21.Januar, können Senator-Aktien vom 22.bis 27 Januar gezeichnet werden.Plaziert werden die Papiere von einem Konsortium unter Führung der Bayerischen Landesbank.Beteiligt sind ferner das französische Institut Bank Parias und Sal.Oppenheim.In der Branche spricht man von einem Emissionsvolumen von 80 bis 100 Mill.DM.Der Börsengang sei ein "relativ großer", erklärt Senator-Sprecher Jürgen Gaulke.Man habe nicht nur den Kleinanleger, sondern auch große institutionelle Investoren im Blick.An diesem Dienstag präsentiert sich Senator Film Analysten in Frankfurt (Main).

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