Wirtschaft : SGL Carbon: Der Graphitproduzent sucht einen Fusionspartner

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Der Graphithersteller SGL Carbon AG peilt mittelfristig weitere Aquisitionen und Joint Ventures an. "Es gibt Gespräche. Sie sind aber noch in einem sehr frühen Stadium, so dass man nicht davon reden kann, dass eine Fusion kurz bevorsteht", sagte der Vorstandsvorsitzende Robert Koehler in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel. "Aber in einem Zeitraum von ein bis zwei Jahren könnte sich das eine oder andere Projekt durchaus realisieren lassen lassen."

Das Wiesbadener Unternehmen stellt Graphitelektroden und Spezialgraphit für die Stahl- und die Halbleiterindustrie her und ist auch in den Geschäftsfeldern Korrosionsschutz, Carbonfasern und Composites tätig. So brauchen beispielsweise Siliziumscheiben für den späteren Computerchip Graphit; Carbonfasern werden für die Herstellung der Chassis von Formel-Eins-Rennern sowie für Golf- und Tennisschläger verwendet. SGL Carbon ist im Carbon- und Graphitmarkt nach eigenen Angaben mit rund 25 Prozent Weltmarktanteil die Nummer eins und macht 85 Prozent seines Gesamtumsatzes im Ausland. Im Markt befinden sich etwa zehn Unternehmen.

Den bestehenden deutschen Produktionsstandorten bescheinigte Koehler eine "gute Wettbewerbsposition innerhalb des Konzerns". Einer möglichen Kapazitätsausweitung in Deutschland auf etablierten Geschäftsfeldern mit hoher Internationalität erteilte er allerdings eine Absage. Arbeits- und Maschinenkosten seien im Vergleich mit ausländischen Standorten "nicht wettbewerbsfähig". Als Hauptursachen nannte Koehler hohe Personalkosten und zu geringe Maschinenlaufzeiten.

Nach Worten Koehlers befindet sich SGL Carbon nach zwei schwierigen Jahren, die operativ zwar zweistellige Umsatzrenditen brachten, aber nach Steuern durch die Rückstellungen aus den US- Antitrustverfahren zu Verlusten führte, deutlich im Aufschwung - vor allem wegen des Aufwärtstrends auf den Stahl- und Halbleitermärkten. Für das laufende Geschäftsjahr prognostiziert Koehler einen Anstieg des Betriebsgewinns um zehn bis 20 Prozent und "deutlich schwarze Zahlen" beim Nettoergebnis. Dieses war im vergangenen Jahr noch wegen Belastungen aus Wettbewerbsklagen in den USA - SGL Carbon soll in der ersten Hälfte der 90er Jahre mit Konkurrenten die Preise abgesprochen haben - rot geschrieben worden. "Die behördlichen und Verfahren in Nordamerika sind abgeschlossen. Ebenso zum überwiegenden Teil die Zivilrechtlichen", so Koehler. Auch für das laufende Kartellverfahren der EU-Kommission sei 1999 bereits ausreichend bilanziell vorgesorgt worden. Zum erwarteten Ausgang wollte er sich nicht äußern. Nach dem Dividendenausfall für 1999 will SGL Carbon für das Geschäftsjahr 2000 die Aktionäre wieder bedienen. Durch die gute Weltkonjunktur steige die Kapazitätsauslastung weiter an, sagte Koehler. Vor allem in Asien erhofft sich der SGL-Carbon-Chef "deutliche Zuwachsraten". Im Zuge der wachsenden Nachfrage rechnet er im zweiten Halbjahr und im nächsten Jahr mit zunehmendem Spielraum für anziehende Preise bei Carbon und Graphit. Auch die langfristigen Geschäftsaussichten seien positiv. Koehler peilt in etwa drei Jahren einen Umsatz von 3,3 bis 3,5 Milliarden Mark an (1999: 1,9 Milliarden Mark) und will das Betriebsergebnis auf rund 600 Millionen Mark verdreifachen. Die Umsatzrendite soll im laufenden Jahr über zehn Prozent und bis 2003 mindestens 15 Prozent steigen. Die frühere Hoechst-Tochter ist im MDax notiert und war im Mai 1996 das zweite deutsche Unternehmen, das an die Wall Street ging und die Notierung an der New Yorker Börse aufnahm.

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