Wirtschaft : Shell-Studie: Frauen und Alte ans Steuer!

Markus Frenzel

Bis zum Jahr 2020 soll die Zahl der Pkw auf deutschen Straßen um bis zu 8,5 Millionen zunehmen. Gleichzeitig jedoch soll sich der Schadstoffausstoß vermindern. Zu dieser auf den ersten Blick widersprüchlichen Einschätzung kommt die Shell-Studie über die Entwicklung des Automobil-Marktes in Deutschland, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Begründet wird dort der Rückgang der Luftverschmutzung durch neue, umweltfreundlichere Technologien: In 20 Jahren werde der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch bei etwa vier Litern pro 100 Kilometer liegen, heißt es in der Studie. Momentan schluckten die Autos noch fast doppelt so viel.

"Eine Sättigung des Pkw-Marktes ist nicht in Sicht", heißt es in der Studie. Nach heutigem Stand gibt es in Deutschland knapp 44 Millionen Wagen. Je nach Szenario werde die Zahl auf 48 bis 52 Millionen Wagen über den Zeitraum von 20 Jahren ansteigen - was aber nicht zum totalen Chaos führen müsse. Unter Umständen würden die Deutschen jährlich sogar weniger Kilometer auf ihren Straßen zurücklegen. Im optimistischsten Fall rechnet der Verfasser der Studie, der ehemalige Shell-Mitarbeiter Bernhard Westinner, mit einem Rückgang der gefahrenen Kilometer von 528 auf 494 Milliarden jährlich.

Für die Zunahme der Autos in Deutschland würden vor allem Frauen und ältere Menschen verantwortlich sein. So werde in den kommenden Jahren die Zahl der Frauen, die sich einen Wagen zulegen, um etwa 60 Prozent steigen. Ähnlich sehe es bei älteren Autofahrern aus.

Als "zu pessimistisch" stuft dagegen Albert Schmidt, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, dieses Zukunftsszenario ein. Wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmten, dann könne man auch eine deutlichere Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs erreichen, so Schmidt. Eine Verminderung des Verbrauchs um 30 bis 40 Prozent bereits in den nächsten zehn Jahren schwebt ihm vor. Als unzutreffend stuft Schmidt auch die Prognose ein, dass der Automarkt noch nicht gesättigt sei. "Das ist nicht gedeckt durch das, was wir momentan erleben", sagte er. Auch die Analyse der Shell-Studie, dass im Jahr 2020 nicht mehr als zehn Prozent der Autos mit Wasserstoff betrieben würden, ist in den Augen von Schmidt zu zurückhaltend. "Aber es ist verständlich, dass Shell als Mineralölkonzern an konventioneller Autonutzung interessiert ist."

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