Wirtschaft : Siemens: Elektronikkonzern erzielt wieder Gewinn

msh/tmh

Nach zuletzt hohen Verlusten hat der Siemens-Konzern im vergangenen Quartal wieder Gewinn erwirtschaftet. Entgegen den Erwartungen konnten gleich mehrere Sparten des Konzerns schwarze Zahlen schreiben. Schwierig hingegen bleibt die Entwicklung im Netzwerkgeschäft. Siemens-Chef Heinrich von Pierer kündigte für diesen Bereich neue Sanierungsmaßnahmen an. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet er mit weiterem Gewinnzuwachs. Der Kurs der Siemens-Aktie legte leicht zu.

Noch im Vorquartal hatte Siemens einen Milliardenverlust ausweisen müssen. Grund für die Krise war vor allem die Konjunkturflaute in den USA und die Schwäche der Telekommunikationsbranche. Konzernchef von Pierer reagierte mit einem Kostensenkungsprogramm und kündigte den Abbau von 20 000 Arbeitsplätzen an. Siemens vereinigt so unterschiedliche Sparten wie Kraftwerksbau, Handy-Produktion, Automobilzulieferung und IT-Dienstleistungen unter einem Dach.

Der Gewinn von 538 Millionen Euro im ersten Quartal des Geschäftsjahres, das bei Siemens am 30. September endet, fiel zwar nur gut halb so hoch aus wie im Vorjahreszeitraum. Mit den Ergebnissen übertraf der Konzern aber die Prognosen vieler Analysten. "Bei unseren Restrukturierungs-Anstrengungen haben wir gute Fortschritte erzielt", sagte von Pierer in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Von den bisherigen Sorgenkindern konnten die Mobilfunksparte, der Logistikbereich Dematic und der IT-Dienstleister SBS im operativen Geschäft (siehe Lexikon auf Seite 18) in die Gewinnzone zurückkehren.

Der Konzernumsatz stieg im ersten Quartal vor allem durch ein gutes Auslandsgeschäft um sieben Prozent auf 20,5 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal. Bereinigt um Währungseffekte und Firmenzukäufe stagnierte der Umsatz jedoch. Der Auftragseingang legte um zwölf Prozent auf 24,9 Milliarden Euro zu.

Die größten Sorgen bereitet von Pierer derzeit die Netzwerksparte, die Telefonnetze für die großen Telekomkonzerne und Unternehmen produziert. Siemens machte hier einen Verlust von 124 Millionen Euro. Im ersten Quartal des Vorjahres machte die Sparte noch 150 Millionen Euro Gewinn. Der Umsatz sank um zwölf Prozent auf 2,54 Milliarden Euro. Auch in den kommenden Quartalen rechnet von Pierer mit Verlusten. Um das Netzwerkgeschäft wieder profitabel zu machen, kündigte er weitere Sanierungsmaßnahmen insbesondere in den USA an. Zum Umfang des drohenden Stellenabbaus und der damit verbundenen Kostenbelastung schwieg er sich aber aus. "Ich glaube, Siemens verhandelt noch mit den Gewerkschaften über den Personalabbau", sagt Peter Reilly, Technologie-Analyst der Deutschen Bank. Noch sei unklar, ob das Netzwerkgeschäft seinen Tiefpunkt erreicht habe.

Mit der Entwicklung im Mobilfunkgeschäft zeigte sich von Pierer zufrieden. Wegen der Konzentration auf günstige Einstiegsmodelle sei der Umsatz in der Sparte Mobiltelefone zwar gesunken, sagte der Konzernlenker. Der Absatz stieg verglichen mit dem Vorquartal dank eines guten Weihnachtsgeschäfts von 6,4 auf neun Millionen Stück. Damit lag der Konzern nur leicht unter dem Vorjahresniveau.

Den größten Sprung machte der Energiebereich, der von dem hohen Auftragseingang in den USA profitierte. Im gesamten Geschäftsjahr strebt von Pierer weiterhin eine deutliche Ergebnisverbesserung an. Dies dürfte nach Einschätzung von Analysten schon allein wegen niedrigerer Restrukturierungskosten und der Einnahmen aus dem Verkauf weitere Infineon leicht zu bewerkstelligen sein. Im vergangenen Geschäftsjahr war der Gewinn bei Deutschlands größtem Elektrokonzern von 8,9 auf 2,1 Milliarden Euro eingebrochen. Der Kurs der Siemens-Aktie stieg am Mittwoch um 1,6 Prozent auf 70 Euro.

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