Wirtschaft : Siemens in Berlin

DEN HAAG/BERLIN (dw/lvt).Die rund 18 000 Berliner Siemens-Beschäftigten können offenbar aufatmen.Dem größten privaten Arbeitgeber der Stadt drohe am Standort Berlin durch das Zehn-Punkte-Programm des Konzerns kein unmittelbarer Arbeitsplatzabbau.Das sagte Siemens-Sprecher Enzio von Kühlmann-Stumm am Donnerstag auf Nachfrage.Auch durch den Verkauf des Bereichs Starkstromkabel an den italienischen Reifen- und Kabelhersteller Pirelli sei kein Stellenabbau zu befürchten.In Berlin sind rund 540 Mitarbeiter im Kabelbereich beschäftigt.Nach Angaben von Kühlmann-Stumm hat sich das Werk in den vergangenen Monaten konsolidiert.

Siemens-Chef Heinrich von Pierer hatte die Geschäftsbereiche des Konzerns am Donnerstag in drei Kategorien eingeteilt, von "gut" bis "unbefriedigend".Die Berliner Bereiche sind in jedem Segment ungefähr gleichgewichtig vertreten.So gehören das Osram-Werk mit rund 2200 Beschäftigten und der Bereich Öffentliche Kommunikationsnetze mit insgesamt rund 3000 Mitarbeitern zu den Konzernteilen mit "guter Performance".Laut Kühlmann-Stumm hat Siemens allein bei den Kommunikationsnetzen seit 1990 rund 600 neue Arbeitsplätze geschjaffen, davon allein 200 in diesem Geschäftsjahr.

Der Berliner Bereich Energieübertragung und -verteilung mit insgesamt rund 2600 Mitarbeitern gehört zu den Bereichen, die "auf gutem Weg" seien und voraussichtlich noch in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben werden.Hoffnungsvoll sei auch die Entwicklung im Anlagenbau, dessen Vertriebsbereich in Berlin mit rund 1000 Arbeitnehmern vertreten ist.

Zu den Berliner Sorgenkindern des Konzerns gehört das Gasturbinenwerk mit etwa 1400 Mitarbeitern.Die Nachbesserungskosten für technisch defekte Turbinen hätten eine enorme Belastung bedeutet.Auch der Bereich Verkehrstechnik, der seit Oktober 1994 mit rund 1250 Mitarbeitern seinen Hauptsitz in Berlin hat, fällt unter die dritte Kategorie mit "akuten Problemen".Hier wurden im vergangenen Jahr 170 Mill.DM Verluste gemacht."Der Bereich wird im laufenden Jahr entgegen unseren Planungen in den roten Zahlen bleiben und einen höheren Verlust ausweisen als im Vorjahr", sagte von Pierer in Den Haag.Das läge unter anderem an hohen Vorleistungen für das Wachstum in Asien sowie am Preisdruck auf Grund weltweiter Überkapazitäten in der Bahntechnik.Gleichwohl droht in Berlin kein nennenswerter Abbau des Bereichs."An eine Anpassung der Kapazitäten ist nicht gedacht", sagte Konzernsprecher Eberhard Posner dem Tagesspiegel.

Damit wäre bei Siemens nach einem jahrelangen Stellenabbau in Berlin erstmals wieder ein gleichbleibender Beschäftigungsstand erreicht.Seit 1992 waren etwa 7000 Stellen gestrichen worden.

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