Wirtschaft : Siemens-Sparte SBS steht vor der Zerschlagung

Konzernchef Kleinfeld will den Problembereich sanieren – und hat dafür selbst im Betriebsrat Unterstützer

Nicole Huss

München - Siemens-Chef Klaus Kleinfeld setzt seinen Sanierungskurs bei Deutschlands größtem Technologiekonzern fort. Nach der Trennung vom Handygeschäft und von Teilen der Logistiksparte soll jetzt die IT-Tochter Siemens Business Services (SBS) zerschlagen werden. Unternehmenskreisen zufolge sollen Teile des Geschäfts an Konkurrenten verkauft, andere Teile in Sparten des Siemens-Konzerns integriert werden. Das Vorhaben stößt nicht nur bei Analysten auf Zustimmung. Selbst Arbeitnehmer glauben, dass eine Zerschlagung von SBS keine schlechte Lösung wäre.

Der IT-Dienstleister mit deutschlandweit 15000 Mitarbeitern, davon 730 in Berlin, ist derzeit das größte Sorgenkind im Siemens-Konzern. SBS machte in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres einen Verlust von 263 Millionen Euro. Die Ergebnismarge liegt bei minus 8,2 Prozent – weit entfernt von der für das Jahr 2007 angestrebten Gewinnmarge von fünf bis sechs Prozent. Erst im September hatte Kleinfeld angekündigt, bei SBS 2440 Stellen abbauen und einen Großteil der Niederlassungen schließen zu wollen. Bis 2007 sollen 1,5 Milliarden Euro Kosten eingespart werden.

„Ich gehe davon aus, dass Siemens in den nächsten zwei Monaten eine Entscheidung treffen wird“, sagte ein SBS-Betriebsrat dem Tagesspiegel am Donnerstag. Er bezeichnete es als „sehr realistisch, dass SBS teils verkauft, teils in andere Konzernsparten integriert wird“. Die Süddeutsche Zeitung hatte berichtet, das Geschäft mit der Ausgliederung von IT-Dienstleistungen solle an den französischen Konkurrenten Atos Origin verkauft werden. Der Bereich steuert rund die Hälfte zum weltweiten SBS-Umsatz von zuletzt 4,7 Milliarden Euro bei. Das Geschäft mit produktnahen Dienstleistungen wie der Wartung von Großrechnern soll den Spekulationen zufolge an den PC-Hersteller Fujitsu Siemens Computers gehen. Das Geschäftsfeld Beratung und Systemintegration soll in die florierende Siemens-Sparte Automatisierungs- und Antriebstechnik integriert werden.

Ein Siemens-Sprecher sagte, eine solche Zergliederung sei „kein zentrales Modell der Diskussion“. Es gebe aber interne Gespräche über die künftige Struktur von SBS. Atos und Fujitsu Siemens wollten die Spekulationen nicht kommentieren.

Doch der harte Sanierungskurs reicht nach Meinung von Experten längst nicht aus. „Mit diesen Maßnahmen bis 2007 die angestrebte Zielmarge erreichen zu wollen, ist immer noch sehr ambitioniert“, findet Analyst Roland Pitz von der Hypo-Vereinsbank. Seiner Ansicht nach müssten die Kosten bei SBS noch radikaler gesenkt werden, um die Sparte in ihrer bisherigen Form zu erhalten. Er rechnet mit einem „Mix aus Ausgliederung, Umgliederung, Verkäufen und Kostensenkungen“. Der Kauf der kompletten Sparte sei für Wettbewerber nicht attraktiv, weil SBS zu breit aufgestellt sei.

Ein SBS-Betriebsrat sagte, eine Zerschlagung der Sparte lasse sich „kaum noch vermeiden“. SBS sei nur zu retten, wenn Siemens dafür „sehr viel Geld in die Hand nähme“. Dazu sei der Konzern aber nicht bereit. SBS sei zu klein im harten Wettbewerb mit Konkurrenten wie T-Systems und IBM. Branchenexperten werfen dem Management vor, die Kapazitäten nicht rechtzeitig dem stark geschrumpften Markt angepasst zu haben. Der Betriebsrat hofft, durch Ausgliederungen und Teilverkäufe ließen sich betriebsbedingte Kündigungen eher vermeiden, als wenn die Sparte bei Siemens bleibe. Ein Vertreter der IG Metall befürchtet dagegen im Falle einer Zerschlagung von SBS weiteren „heftigen Stellenabbau“. Wenn Teile von SBS in anderen Siemens-Bereichen aufgingen, entstünden erhebliche Überschneidungen, so dass zahlreiche Stellen überflüssig würden.

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