Wirtschaft : Siemens sucht Lösungen für Problembereiche

Vorstand befasst sich mit den drei Krisensparten/Konzernchef Kleinfeld kündigt Gewinn auf Vorjahreshöhe und Akquisitionen an

Nicole Huss

München - Beim Umbau des angeschlagenen IT-Dienstleisters Siemens Business Services (SBS) wird es nach Angaben aus Unternehmenskreisen nicht zu einem reinen Personalabbau kommen. „Wahrscheinlicher ist ein Mischmodell, bei dem es Stellenabbau, aber auch Einkommenseinbußen für die Mitarbeiter geben wird“, sagte ein Siemens-Manager dem Tagesspiegel. Zudem komme eine „häppchenweise Abspaltung von Serviceleistungen“ in Frage. Ein Verkauf von SBS als Ganzes sei zum jetzigen Zeitpunkt dagegen „sehr unwahrscheinlich“.

Ein vom SBS-Management vorgelegtes Konzept für einen massiven Stellenabbau hatte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld im Juli abgelehnt. Er forderte Bereichschef Adrian von Hammerstein auf, ein Alternativkonzept zu erarbeiten. Am Montag müssen von Hammerstein und die Vorstände der beiden anderen Krisensparten des Siemens-Konzerns – Logistik und Prozessautomatisierung (L&A) sowie Kommunikationstechnik (Com) – dem Zentralvorstand Statusberichte vorlegen und handfeste Lösungskonzepte präsentieren. Kleinfeld hat vorgegeben, dass alle Konzernsparten bis spätestens Anfang 2007 die vorgegebenen Renditeziele erreichen sollen. Davon sind SBS, L&A und Com noch meilenweit entfernt: Im abgelaufenen Quartal hatten die drei Sparten insgesamt 228 Millionen Euro Verlust angehäuft.

SBS kämpft mit Personalüberhang und hohem Preisdruck, L&A hat Probleme in der Distribution und Industrielogistik und die Com-Sparte kommt trotz des Verkaufs der defizitären Mobilfunksparte an den taiwanischen Benq-Konzern nicht in ruhiges Fahrwasser. Der größte Konzernbereich wird durch den Restrukturierungsaufwand im Festnetzbereich und schrumpfende Margen im Geschäft mit Firmenkunden belastet.

Mit großen Einschnitten wird auf der Sitzung am Montag noch nicht gerechnet. „Es stehen keine weit reichenden Entscheidungen über die künftige Ausrichtung der Sparten an“, sagte ein Siemens-Sprecher. „Möglicherweise will der Konzern erst die Bundestagswahl abwarten, bevor er massive personelle Einschnitte bekannt gibt“, schätzt Wolfgang Müller von der IG Metall. In Gewerkschaftskreisen war zuletzt die Rede vom Abbau von etwa 4000 der insgesamt rund 16000 Stellen bei SBS im Inland. Der IT-Dienstleister hatte bereits zu Jahresbeginn den Abbau von 950 Stellen angekündigt und kürzlich produktnahe Dienstleistungen teilweise ausgelagert.

Nach Angaben des Siemens-Sprechers sollen konkrete Konzepte bis zum Ende des Geschäftsjahres im September erarbeitet werden. „Siemens wird bis zu diesem Zeitpunkt handeln, um hohe Restrukturierungskosten noch in dieses Geschäftsjahr packen zu können“, glaubt ein Branchenkenner. Dann könne Kleinfeld ohne Anfangsbelastungen ins Geschäftsjahr 2005/06 starten, das erste volle Geschäftsjahr unter seiner Ägide.

Für das Ende September ablaufende Geschäftsjahr stellte Kleinfeld am Wochenende einen Gewinn nach Steuern von 3,1 Milliarden Euro in Aussicht. Der „Süddeutschen Zeitung“ sagte er, dies werde in etwa dem Ergebnis des Vorjahres entsprechen. Der Siemens-Chef kündigte weitere Zukäufe des Konzerns an. „Ja, der Akquisitionskurs wird weitergehen“, zitierte die Zeitung Kleinfeld. Als mögliche Bereiche nannte er die Sparten Medizintechnik, Energieerzeugung und -verteilung sowie Kommunikation. Zu einer möglichen Übernahme des Autozulieferers Continental und dessen Eingliederung in die Siemens VDO sagte Kleinfeld: „An solchen Spekulationen möchte ich mich nicht beteiligen.“

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