Wirtschaft : Siemens sucht Mobilfunk-Anschluss in Taiwan

Münchner Konzern will Handy-Sparte zum Teil an BenQ-Konzern abgeben. Arbeitnehmer fordern Sicherheiten für die Belegschaft

Nicole Huss

München - Der Siemens-Konzern will seine defizitäre Handysparte in eine Partnerschaft mit dem taiwanesischen Hersteller BenQ einbringen. Das berichteten verschiedene Medien am Montag übereinstimmend. Die Partnerschaft betreffe aber nur die Mobiltelefone, nicht den Bereich für schnurlose Festnetz-Telefone, hieß es. Die Schnurlostelefone verblieben bei Siemens. Weitere Details waren zunächst nicht zu erhalten. Weder Siemens noch BenQ wollten zu den Berichten Stellung nehmen.

Ein Siemens-Sprecher bestätigte jedoch, dass am Montagnachmittag in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung das Thema Handysparte eine Rolle gespielt habe. Aus Verhandlungskreisen hieß es, das Geschäft solle am Dienstag bekannt gegeben werden. Die nächste reguläre Aufsichtsratssitzung bei Siemens hätte erst Ende Juli stattfinden sollen.

Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat haben unterdessen an das Siemens-Management appelliert, bei einer Partnerschaft die Mehrheit an der Handysparte zu behalten. „Die industrielle Führerschaft ist ein Kernpunkt für uns“, sagte Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Müller von der IG Metall dem Tagesspiegel. Die Arbeitnehmerseite beharrt zudem auf drei Punkten: einer Offensivstrategie von Siemens für das Endgeräte-Geschäft mit Investitionen und verbessertem Produktportfolio, Garantien für die deutschen Standorte und die rund 6000 Beschäftigten und die Einhaltung bestehender Tarifverträge.

Experten sind sicher, dass Siemens die Mehrheit an der Problemsparte abgeben wird. „Alles andere wäre völlig abwegig“, sagte Analyst Nicolas von Stackelberg vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Schließlich soll das Handygeschäft im Siemens-Jahresabschluss nicht mehr auftauchen. Das sei nur mit der Abgabe der Mehrheit möglich. Allein im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2004/05 schlug die Handysparte mit einem Verlust von 280 Millionen Euro zu Buche. Stackelberg sagte, er halte einen Zusammenschluss von Siemens und BenQ für begrüßenswert. „Die beiden Unternehmen ergänzen sich inhaltlich gut, und regional gesehen gibt es nur wenige Überschneidungen.“ Während Siemens in Europa stark und in Asien relativ schwach vertreten sei, sei es bei BenQ genau umgekehrt. Bei Mobiltelefonen hat BenQ derzeit einen Anteil von rund vier Prozent am Weltmarkt und ist damit ein mittelgroßer Anbieter. Zusammen mit Siemens (5,5 Prozent) käme BenQ nach Schätzung von Analysten auf einen Anteil von bis zu 9,5 Prozent und würde damit in die Riege der fünf weltweit stärksten Handyproduzenten aufsteigen.

Analyst Theo Kitz von Merck Finck sagte, eine Partnerschaft mit BenQ sei seine „Wunschlösung“. „Die Technologie von BenQ wäre für Siemens eine sehr große Hilfe“, sagte Kitz. Bei Innovationen im Mobilfunkbereich seien die Taiwanesen derzeit unter den führenden Anbietern „absolut spitzenmäßig.“ Zudem verfüge BenQ über große Kompetenz in der Konsumgüterindustrie. BenQ wiederum könne von dem guten Markennamen und dem starken Vertriebsnetz von Siemens in Europa profitieren.

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