Wirtschaft : Siemens: Wie aus einem schlafenden Riesen ein High-Tech-Unternehmen wurde

Thomas Magenheim

Siemens-Chef Heinrich von Pierer kann zufrieden sein. Mit dem fast legendären Zehnpunkte-Programm hat er aus dem einst schlafenden Riesen einen anerkannten Hightech-Konzern gemacht. Strikte Renditevorgaben, Ver- und Zukäufe in großem Stil sowie erfolgreiche Sanierungsprojekte haben die frühere Beamtenmentalität im Haus ausgebürstet. Mit der postulierten und teils schon vollzogenen Hinwendung zum Internet erhält auch die Börse genügend Spekulationsmasse. Vorläufige Krönung der Siemens-Neugeburt soll der für März 2001 geplante Börsengang in New York sein. Mit dieser deutlichen Hinwendung zu den unerbittlichen Gesetzen des Kapitalmarkts hat von Pierer allerdings auch Geister geweckt, die Siemens nicht mehr ruhen lassen werden. Soll es weiter aufwärts gehen und das Rekordjahr 1999/2000 wirklich nur ein Meilenstein auf dem Weg zu noch höheren Zielen sein, reicht der aktuelle Gewinnsprung nicht aus. Das bringt von Pierer mit Blick auf Infineon in eine Zwickmühle. Einerseits steht er im Wort, sich von der Chiptochter vollständig zu trennen. Andererseits kann er das derzeit eigentlich nicht tun, weil sie im Vorjahr fast ein Drittel der Siemens-Gewinne getragen hat und das dieses Jahr zu wiederholen verspricht. Die Siemens-Bilanz würde ohne den Infineon-Beitrag stark Glanz verlieren. Kompensiert werden könnten fehlende Infineon-Gewinne künftig durch den Geschäftsbereich ICM, der das Schlüsselprodukt Mobiltelefon und das PC-Geschäft umfasst. Doch hier ist zumindest die nahe Zukunft unklar. Den bei ICM aufgetretenen Problemen weist Siemens weitgehend einmaligen Charakter zu. Nur wenn das stimmt, werden die Münchner ihren Handy-Absatz dieses Jahr wie geplant von 24 auf 60 Millionen Geräte hieven können.

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