Wirtschaft : Singapur auf Einkaufstour

Die Lufthansa will möglicherweise bei Thai Airways einsteigen SINGAPUR (mg/HB).Singapurs Wirtschaft stößt schon lange an ihre Grenzen.Der Inselstaat ist mit nur drei Millionen Einwohnern ein kleiner Markt.Seit Jahren arbeiten daher vor allem die High-tech-Firmen und die Unternehmen des Servicesektors an einer regionalen Expansion.Unterstützt von der Regierung schwärmen Singapurs Vorzeigefirmen bis in den fernen Norden des Kontinents aus, investieren in große Industrieparks in China und Indien und engagieren sich in Vietnam und Myanmar.Angetrieben wurden sie nicht nur vom Zwang zur Größe und der Präsenz in den Boommärkten, sondern auch vom starken Singapur-Dollar sowie hohen Mieten und Löhnen zu Hause.Doch jetzt bietet ihnen Asiens Finanzkrise plötzlich viele gute Schnäppchen in der unmittelbaren Nachbarschaft.Und Singapurs Firmen greifen beherzt zu.Vor allem ihr Engagement in Thailand zeigt, daß sie verstärkt auf den Asean-Raum setzen und geschickt ihre Marktpräsenz in der Staatengruppe ausbauen.Firmen aus Singapur sind derzeit einer der größten ausländischen Investoren in Thailand, sichern sich Anteile in strategischen Branchen des Dienstleistungssektors wie Banken, Hotels, Brokerhäusern, Medien und sogar Energieversorgern.Der jüngste Coup: Singapurs Finanzdienstleister Vickers Ballas sicherte sich für umgerechnet rund 50 Mill.DM 49 Prozent an Thailands zweitgrößtem Wertpapierhaus.Das grüne Licht gaben die Behörden schon Anfang April.Nava, so der Name des Brokerhauses, wickelt neun Prozent vom Umsatz an der Börse in Bangkok ab.Vickers hält nun das größte Paket, das sich ein Broker aus Singapur an einem Mitstreiter in Thailand gesichert hat.Die Investment Corporation der Regierung von Singapur erwarb zuvor fünf Prozent von Securities One, Thailands größtem Brokerhaus.Führende Player mit starker Präsenz am Markt suchen auch Singapurs Banken bei ihrem Vorstoß nach Thailand.Temasek, die Investmentholding der Regierung von Singapur, will offenbar zehn Prozent an der Bangkok Bank, Thailands größtem Geldhaus, erwerben.Die Bangkok Bank muß aufgrund einer Vorgabe der Notenbank für das Geldgewerbe bis zum 15.August ihr Kapital erhöhen.Durch den Verkauf von 700 Mill.neuer Aktien, davon 300 Mill.an einheimische Anleger, soll der Anteil ausländischer Anteilseigner von 25 Prozent auf 46 Prozent steigen.Temasek ist schon für umgerechnet eine Mrd.DM in einen Industriepark in Thailand eingestiegen.Die DBS Bank von Singapur ist bereits zu rund 50 Prozent an der Thai Danu Bank, der zwölftgrößten in der Branche in Thailand, beteiligt.Mit dieser Investition aus Singapur weist die Thai Danu ebenfalls die höchste ausländische Beteiligung ihrer Branche aus.Die Banken aus Singapur nutzen geschickt eine Schwächephase der japanischen Finanzhäuser aus, die sich aufgrund ihrer eigenen Probleme in Thailand derzeit eher zurückhalten.Auch die Keppel-Gruppe soll derzeit Ausschau nach einer Thai-Bank halten.Gut im Rennen scheint auch Singapore Airlines beim erhofften Einstieg in die Staatslinie Thai Airways zu sein.Das Kabinett von Premier Chuan Leekpai hat dem Finanzministerium grünes Licht zum Verkauf eines Drittels seiner Anteile, derzeit 92,8 Prozent, gegeben.Damit soll die ausländische Beteiligung an Thai Airways von zehn auf 25 Prozent steigen.Hat Singapore Airlines Erfolg, dann werden ihre Bemühungen um ein größeres Paket an einem Konkurrenten in der Region erstmals von Erfolg gekrönt.Seit Jahren versucht der Singapur-Carrier vergeblich, zusammen mit der indischen Tata-Gruppe auf dem Subkontinent eine Fluggesellschaft aufzubauen.Für einen Anteil an Thai Airways ist auch die Lufthansa im Gespräch.

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