Wirtschaft : Sinkende Strompreise für private Haushalte

HAMBURG/GAGGENAU (dw/AP).Nach der Öffnung des Energiemarktes geraten die Strompreise nun auch für Privathaushalte ins Rutschen.Zum 1.Januar 1999 hat der Hamburger Stromversorger HEW die Preise für knapp 900 000 Privathaushalte und Gewerbetreibende in der Hansestadt gesenkt.Dies soll die Kunden um fast 50 Mill.DM jährlich entlasten, teilte die Hamburgische Electricitäts-Werke AG (HEW) in der vergangenen Woche mit.Die Stadtwerke des 30 000-Einwohner-Ortes Gaggenau am Schwarzwald kündigten eine Senkung der Strompreise für Haushalte um zehn Prozent an.In Berlin ermunterte das Bundeskartellamt die Privatkunden, sich aktiv für sinkende Energiepreise einzusetzen.

Die Stadt Gaggenau sprach von der ersten Strompreissenkung eines Versorgers auch für Privatkunden.Allerdings konnte die Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW) in Frankfurt nicht sagen, ob die Strompreise nach der Marktöffnung im Frühjahr schon andernorts auch für Haushalte gesenkt wurden.Viele Versorger hätten die Struktur ihrer Tarife geändert.Ein Preisvergleich sei daher schwierig.

Gaggenau fühlt sich nicht mehr an den Vertrag mit der Karlsruher Energie Baden-Württemberg AG gebunden und bezieht den Strom künftig von PreussenElektra (Hannover).Dadurch erhofft man sich Einsparungen von über einer Mill.DM im Jahr.Der Preisvorteil solle an alle Kunden weitergegeben werden.

In Hamburg wird der Strom in zwei Schritten billiger.Zunächst sinke der Preis für Tagstrom um 0,93 Pfennig je Kilowattstunde, zum 1.Juli dann um weitere 1,04 Pfennig, teilten die HEW mit.Bei einem Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 2650 Kilowattstunden ermäßige sich die jährliche Stromrechnung um 44 DM auf 936 DM.Sollte die von der Bundesregierung geplante Ökosteuer eingeführt werden, sei wieder mit einer zusätzlichen Belastung von rund 16 DM pro Jahr zu rechnen.Der Haushaltstarif sinke damit unter das Niveau von 1993.Angesichts des geöffneten Marktes in Deutschland und Europa werde die HEW auch in Zukunft versuchen, ihre Kunden durch Preissenkungen zu halten.

Der Präsident des Bundeskartellamts, Dieter Wolf, hat die Verbraucher unterdessen ermuntert, sich gegen überhöhte Preise ihrer Energieversorger zu wehren."Ich würde mir wünschen, daß mehr Privatkunden Druck machen", sagte er am Donnerstag.Bezieher sollten sich bei ihren Stadtwerken oder bei den Kartellbehörden beschweren, wenn sie für Gas oder Strom deutlich mehr zahlen, als in benachbarten Versorgungsgebieten üblich.Mittelfristig seien Preisnachlässe auch für Privatkunden zu erwarten.Aber "es ist das Bohren dicker Bretter", sagte Wolf.

Der ehemalige Abteilungsleiter im Bundeskartellamt, Kurt Markert, hatte jüngst in einem Brief den Berliner Energieversorger Bewag aufgefordert zu erklären, warum er bei Preissenkungen für Großkunden nicht auch die Tarife für Privatkunden gesenkt habe.Notfalls werde er erwägen, seine Stromvorauszahlungen eigenmächtig um zehn Prozent zu kürzen.Wolf stimmte Markert grundsätzlich zu."Da sind Preisdifferenzen, die nicht abgebaut sind.Und wenn er sagt, nun tut mal was und guckt da hinterher, dann ist das legitim." Dem Vorschlag des Rechnungsboykotts allerdings schloß sich Wolf nicht an.

Die Bewag hatte die seit 1996 konstanten Preise für Privatkunden verteidigt: Das Unternehmen müsse eine jährlich steigende Konzessionsabgabe an das Land Berlin in dreistelliger Millionenhöhe zahlen.Diesen Kostenfaktor habe man immerhin nicht auf die Privatkunden abgewälzt, sondern durch interne Einsparungen aufgefangen.

Während die Industrie seit geraumer Zeit sinkende Energiepreise verzeichnet, hat die Liberalisierung des Energiemarkts für Privatkunden bisher kaum Preisnachlässe gebracht.Nach einer Studie der Dresdner Bank könnte vielmehr die geplante Ökosteuer die Vorteile des Wettbewerbs mehr als wettmachen.Nach Berechnungen der Bank zahlen deutsche Haushalte derzeit einen doppelt so hohen Strompreis wie etwa ein großer Industriekunde.

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