Wirtschaft : Smart neben Klopapier

Alfons Frese

Erst Edeka, jetzt Schlecker und demnächst vielleicht Aldi oder Metro - der Handel entdeckt das Autogeschäft, und die Autoindustrie stöhnt auf und zieht vor Gericht. Kein Wunder, denn Hersteller und Autohändler leben ganz gut vom exklusiven Vertrieb, den in der EU die so genannte Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) schützt: Jeder Hersteller kann sich einen Händler aussuchen, der nur seine Marke verkauft und sich dabei auch noch auf ein bestimmtes Gebiet beschränkt. Mit Wettbewerb haben diese Gebiets- und Markenmonopole wenig zu tun, deshalb will die EU-Kommission ja auch die ominöse GVO reformieren. Bis es so weit ist, forcieren die Handelsketten mit kleinen Aktionen den weiten Weg zu mehr Wettbewerb im Autohandel. Edeka, die vor einem Jahr den Fiat Punto im Paket mit anderen Produkten verkaufte, agierte noch ziemlich glücklos und musste vor Gericht nachgeben. Der Drogeriehändler Anton Schlecker stellt sich schlauer an, indem er nicht die besonders vor einem wettbewerblichen Vertrieb "geschützten" Neuwagen, sondern Gebrauchtwagen verkauft. Smarts, Ford Kas und Fiat Puntos mit Tageszulassung, die noch keinen einzigen Kilometer gefahren sind. Ein schöner Trick zu Gunsten des Kunden, der die Autos im Schlecker-Internet viel günstiger bekommt als beim Ford-, Fiat- oder Smart-Händler. Doch ob die Schlecker-Aktion mehr sein wird als ein Markekting-Gag? Dagegen spricht die Erfahrung. Alle Versuche, neue Autos im Supermarkt oder Internet zu verkaufen, sind bislang ziemlich fehlgeschlagen. Ein Auto ist kein Kühlschrank und wird eben vorzugsweise beim Fachhändler gekauft. Doch dieser Händler sollte kein Monopolist sein.

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